Lob und Anbetung – echt jetzt?

Lebens Liturgien

Folge 9

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Ein alter Jesuitenpater hat einmal geschrieben: „Die Welt ist Gottes so voll, aus allen Dingen quillt er gleichsam uns entgegen.“

Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir deshalb Gott aufspüren in dieser Welt und in unserem Leben – und uns von Ihm Rhythmus und Ziel vorgeben lassen für unseren Tag.

Wir befinden uns innerhalb der Serie „Beten – eine Reise in die faszinierende Welt des Gebets.“ Heute geht es darum, möglichst einfach und ehrlich zu beten.

Weiteres Material zu dieser Serie findet Ihr auf dem YouTube-Kanal Amen Atmen.

Jeden Morgen ereignet sich im Kleinen Ostern: leuchtet der Ostermorgen in unser Leben hinein. Jeden Morgen drängt Gott aufs Neue alle Kälte und Dunkelheit zurück, wälzt den Stein vom finsteren Grab und erschafft uns neue Zukunft.

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Und schaust mich liebevoll an.

Das Reich der Schatten weicht zurück,

das Tageslicht nimmt seinen Lauf,

und strahlend, gleich dem Morgenstern,

weckt Christus uns vom Schlafe auf.

Du, Christus, bist der helle Tag,

das Licht, dem unser Licht entspringt,

Gott, der mit seiner Allmacht Kraft,

die tote Welt zum Leben bringt.

Erlöser, der ins Licht uns führt

und aller Finsternis entreißt,

dich preisen wir im Morgenlied

mit Gott dem Vater und dem Geist.

Es gibt Zeiten, da fällt es uns leicht, Gott zu loben. Dankbarkeit ist ein gutes Sprungbrett dafür. Wenn es uns gut geht und unser Herz voller Dankbarkeit ist, dann fließt das Gotteslob relativ leicht.

Aber was, wenn wir Schweres durchleiden. Oder gerade mit der Zeitung fertig sind, und unser Herz schwer ist von all der Not, die uns daraus entgegengesprungen ist. Wo ist Gott da? Warum lässt Gott das zu? Können und sollen wir Gott wirklich auch angesichts all dessen loben?

In der Stille komme ich vor Gott und sage ihm, wie es in mir gerade aussieht: ob mir eher zum Loben oder zum Klagen zumute ist.

Freiraum

Wir hören auf Worte aus Psalm 22. Der Beter dieses Psalms bekommt das Klagen und das Loben hier auf beinahe unerklärliche Weise zusammen.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt! Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe. Du bist doch heilig, du wohnst dort, wo dein Volk dir Loblieder singt. Seit Anbeginn meines Lebens bin ich angewiesen auf dich, von Mutterleib an bist du mein Gott. Bleib mir doch jetzt nicht fern! Meine Not ist so bedrohlich und nah, und da ist niemand, der mir hilft!

Ich will meinen Brüdern verkünden, wie groß du bist, mitten in der Gemeinde will ich dir Loblieder singen. Alle, die ihr vor dem Herrn Ehrfurcht habt, preist ihn! Denn der Herr wendet sich von der Not des Hilflosen nicht ab und verachtet seine Leiden nicht. Die den Herrn suchen, sollen ihn preisen. Alle Völker werden sich vor dir, Herr, niederwerfen und dich anbeten!

Psalm 22

Hm. Das wirkt ein bisschen schräg. Wie kommt der Beter dieses Psalms dazu, so abrupt von der Klage ins Loben zu wechseln? Und muss das wirklich sein? Kann Klage nicht einfach mal Klage sein? Müssen wir unsere Klage – wenn wir besonders fromm sein wollen – immer noch mit dem Mantel des Gotteslobs versehen?

Nein. Müssen wir nicht. Ganz sicher nicht. Für alles gibt es eine Zeit. Und manchmal ist einfach nur Zeit zur Klage. Wir müssen Klage und Lob also nicht kombinieren. 
Aber Psalm 22 zeigt, dass es zumindest möglich sein kann. Dass es eine hilfreiche Übung ist, trotz Klage und Not entweder mit Gotteslob zu starten oder zu enden. Denn entweder ist Gott immer gut und hoch zu loben, oder er ist es nie. Denn entweder ist Gott immer voller Liebe, voller Treue und voll von unbegrenzten Möglichkeiten – oder er ist es nie. Gewiss: manchmal merken und sehen wir unfassbar wenig davon. Aber wir sehen auch die Sonne nicht, wenn blitzt und donnert und stürmt – und trotzdem ist sie da.

In der Stille versuche ich mich daran, Gott zu loben – auch wenn mir möglichweise überhaupt gar nicht danach ist.

Freiraum

Wir hören noch einmal auf Worte aus Psalm 22:

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber keine Rettung ist in Sicht, ich rufe, aber jede Hilfe ist weit entfernt! Mein Gott! Ich rufe am Tag, doch du antwortest nicht, ich rufe in der Nacht und komme nicht zur Ruhe. Du bist doch heilig, du wohnst dort, wo dein Volk dir Loblieder singt. Seit Anbeginn meines Lebens bin ich angewiesen auf dich, von Mutterleib an bist du mein Gott. Bleib mir doch jetzt nicht fern! Meine Not ist so bedrohlich und nah, und da ist niemand, der mir hilft!

Ich will meinen Brüdern verkünden, wie groß du bist, mitten in der Gemeinde will ich dir Loblieder singen. Alle, die ihr vor dem Herrn Ehrfurcht habt, preist ihn! Denn der Herr wendet sich von der Not des Hilflosen nicht ab und verachtet seine Leiden nicht. Die den Herrn suchen, sollen ihn preisen. Alle Völker werden sich vor dir, Herr, niederwerfen und dich anbeten!

Psalm 22

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß:

Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit,

ein Leben voller Schönheit und Liebe,

ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen

und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden:

er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Ehre sei dir Vater, dir Sohn und dir Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt – und dann allzeit und in Ewigkeit. Amen.