Erdling und Kunstwerk

Lebens Liturgien

Folge 17

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen.

Die von uns Menschen und unserer Art des Wirtschaftens verursachten ökologischen Schäden sind beinahe staunenswert riesig. Sie sind so riesig und greifen so tief, dass sie nicht einfach nur Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände sein können. Es scheint in dem zu wurzeln, wie wir unser Leben und uns selbst verstehen. Wer sind wir? Sind wir Herrscher? Sind wir Konsumenten?
Die Schöpfungsgeschichte der Bibel bietet uns eine andere Identität an. Wir hören auf Worte aus dem zweiten Kapitel des 1. Buches Mose:

Am Tag, an dem Jahwe-Gott Himmel und Erde machte, gab es zunächst weder Gebüsch noch Feldpflanzen auf dem Erdboden, denn Jahwe-Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es gab auch noch keinen Menschen, der das Land bearbeiten konnte. Grundwasser stieg in der Erde auf und befeuchtete den Boden. Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.

Gen 2,4b-7

Am Tag, an dem Jahwe-Gott Himmel und Erde machte, gab es zunächst weder Gebüsch noch Feldpflanzen auf dem Erdboden, denn Jahwe-Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es gab auch noch keinen Menschen, der das Land bearbeiten konnte. Grundwasser stieg in der Erde auf und befeuchtete den Boden. Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.

„Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden …“ Im hebräischen Urtext lautet das Wort für Mensch „Adam“ – und das Wort für Erde „Adama“. Gott schafft Adam, den Menschen also aus Adama, aus Erde. Wir Menschen sind also „Erdlinge“: Gottes gute Erde und wir gehören von Anfang an zusammen. Wir leben nicht nur auf der Erde, wir sind Erde: unser Körper besteht aus sehr irdischen Stoffen wie Wasser, Salz, Mineralien, Kalk. Nach unserem Tod werden wir wieder zu Erde. Wir leben in einer tiefen und engen Symbiose mit unserer Erde, mit der Natur. Wenn wir also Natur ausbeuten und verschmutzen und zerstören, zerstören wir damit früher oder später uns selbst.

Ich, ein Erdling. Ich bin mein Körper. Meine Adern. Meine Haut. Meine Organe. Meine Augen. Meine Ohren. Ich bin Teil dieser Erde, bin aus irdischen Materialien gemacht – und kehre nach meinem Leben wieder zu Erde zurück.

In einer etwa einminütigen Stille sage ich Gott, wie sich diese Identität für mich anfühlt.

Freiraum

Wir Menschen sind also Erdlinge – aber nicht nur. Die Worte der Schöpfungserzählung beschreiben uns zusätzlich als ein von Gott einzigartig gestaltetes Kunstwerk, als von Gott besonders beschenkt und begabt.

Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase.

Das hebräische Wort für „formen“ drückt eine ganz besondere Tätigkeit aus. Es geht hier nicht um klassisches Handwerk, sondern um Kunst. Um ein kreatives, schöpferisches Tun, durch das einzigartige, unwiederholbare Kunstwerke geschaffen werden. Wir sind also einerseits ganz gewöhnliche Lebewesen aus Erde – und zugleich einzigartig und liebevoll gestaltet. Und nicht nur das: wir tragen einen Hauch von Gott in uns. Die Bibel erzählt, wie Gott uns Lebensatem einhaucht: ein fast zärtliches Bild. Gott kommt nah, ganz nah, und haucht uns Leben ein. Gott sieht uns an, betrachtet uns voller Liebe und teilt seinen Lebensatem mit uns.

In der Stille (wieder etwa eine Minute) versuche ich mir bildlich vorzustellen, wie Gott mir nahekommt, mich liebevoll ansieht und mir Leben einhaucht.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.