bedürftig

Lebens Liturgien

Folge 18

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen.

Noch immer treibt uns die Frage um, wie wir Menschen es eigentlich geschafft haben, diese unsere Natur so nachhaltig zu beschädigen und zu zerstören. Wie ist das möglich? Welche tiefen inneren Bedürfnisse lassen uns so hemmungslos konsumieren und verbrauchen?

In der biblischen Schöpfungserzählung finden wir – beinahe versteckt – eine Antwort.

„Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase.“

„Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase.“

Das hebräische Wort, das hier mit „Nase“ übersetzt wird, meint eigentlich eher „Schlund“, „Kehle“ – und lenkt den Blick darauf, dass wir zutiefst bedürftig sind. Egal ob Atem, Wasser oder Nahrung: ohne dass beständig von außen etwas in uns hineinkommt, können wir nicht leben. Beim Atem spüren wir dies am stärksten: wir sind zutiefst abhängig, leben Zug um Zug. Vom Atem können wir uns keinen Vorrat anlegen. Ohne dass wir beständig atmen, sterben wir. Das Gleiche gilt übrigens auch mit Blick auf die Liebe. Mit Blick auf Anerkennung und Wertschätzung. Ohne Liebe, Anerkennung und Wertschätzung sterben wir ebenfalls – zumindest innerlich.

In der etwa einminütigen Stille spüre ich meinem Atem nach und sage Gott, was ich im Moment am dringendsten brauche oder ersehne …

Freiraum

Dass wir im Westen so hemmungslos konsumieren, liegt also daran, dass wir bedürftige Wesen sind. Dass wir versuchen, mithilfe des Konsums tiefe innere Bedürfnisse zu stillen: das Bedürfnis nach Sicherheit. Das Bedürfnis nach Abwechslung. Das Bedürfnis nach Sinn. Nur klappt das irgendwie nicht: das, was wir konsumieren, passt nicht zu dem, was wir brauchen.

In der Stille gehe ich in Gedanken durch, was ich in den letzten Wochen alles gekauft habe – und was davon wirklich notwendig und hilfreich war.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.