Standortbestimmung

Lebens Liturgien

Folge 24

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lasse ich es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Ich gebe zu: wir stecken jetzt schon ziemlich lang in dieser zweiten Schöpfungserzählung fest. Und manch einer fragt sich vielleicht: „Geht es in dieser zweiten Staffel nicht darum, anders zu leben? Geht es nicht darum, weniger zu konsumieren, alternativer zu leben und achtsamer mit unserer Schöpfung umzugehen? Warum hängen wir auch nach acht Folgen noch in den paar Worten der Schöpfungsgeschichte fest?“

Nun, weil wir hier Grund-Werte und Grund-Einsichten finden über uns Menschen und über unsere Welt. Diese Grund-Werte und Grund-Einsichten können in uns eine innere Haltung formen, aus der heraus wir dann genau dies tun: weniger konsumieren, alternativer leben, achtsamer mit unserer Schöpfung umgehen.

Denn was hat uns bisher beschäftigt? Ich nenne mal die wesentlichen Inhalte:

– Gestartet sind wir mit dem großen Versprechen Gottes „Ich bin für euch da und ich werde für euch da sein!“ – ein Versprechen, das uns Mut macht, anders zu leben und uns für eine heilere, gerechtere Welt zu engagieren, trotz der Wucht und der Größe der verschiedenen ökologischen Krisen.

– Dann haben wir entdeckt, wie bedürftig wir Menschen sind. Wir brauchen Liebe, Atem, Nahrung, Wasser, Sicherheit, Sinn … Gott hat uns bedürftig erschaffen. Wenn wir vom hemmungslosen Konsum wegkommen wollen, müssen wir eine andere, bessere, heilere und heiligere Weise finden, unsere Bedürfnisse zu stillen.

– Dann haben wir über den Garten Eden gestaunt: über diese faszinierende Mischung aus Großzügigkeit und Grenzen. Zu einem guten, gelingenden Leben gehören Freude, Genuss und Dankbarkeit. Und das Respektieren von Grenzen. Dass wir uns auf gute Weise begrenzen, dass wir verzichten können.

– Angesichts der Vielfalt, der Schönheit und der Attraktivität des Gartens haben wir uns die Frage gestellt, welche Berührungen wir in unserem Alltag mit Natur haben und was wir an der Natur am meisten schätzen. Welche Landschaften, Tiere und Pflanzen unser Herz am stärksten berühren. Denn nur was wir schätzen und lieben, werden wir mit Nachdruck bewahren und schützen.

– Und schließlich ging es um den Baum der Erkenntnis des Guten und des Schlechten. Um die Frage, wie Leben eigentlich funktioniert. Was unserem Leben nachhaltig gut tut und was ihm nachhaltig schadet. Und ob wir bereit sind, Gottes Weisungen hin zu einem gelingenden Leben zu vertrauen. Oder ob wir da lieber dem Raum geben, was so an Impulsen aus dem Bereich unserer Triebe, Sehnsüchte und Begierden kommt.

Welche Gedanken haben mich besonders stark beschäftigt? Beziehungsweise: Welcher dieser Gedanken beschäftigt mich jetzt?

Freiraum

Wir hören noch einmal die bisherigen Bibeltexte im Zusammenhang. Beim Hören achte ich darauf, wo ein Wort oder ein Satz mich besonders ansprechen:

„Am Tag, an dem Jahwe-Gott Himmel und Erde machte, gab es zunächst weder Gebüsch noch Feldpflanzen auf dem Erdboden, denn Jahwe-Gott hatte es noch nicht regnen lassen. Es gab auch noch keinen Menschen, der das Land bearbeiten konnte. Grundwasser stieg in der Erde auf und befeuchtete den Boden. Dann formte Jahwe-Gott den Menschen aus loser Erde vom Ackerboden und hauchte Lebensatem in seine Nase. So wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.
Und Jahwe-Gott pflanzte einen Garten in Eden im Osten. Und er setzte den Menschen dorthin, den er geformt hatte. Und Jahwe-Gott ließ aus der Erde emporwachsen vielerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen.
Und Jahwe-Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, um ihn zu bearbeiten und zu bewahren. Und Jahwe-Gott sprach zum Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen. Aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Schlechten sollst du nicht essen. Denn an dem Tag, an dem du von ihm isst, wirst du sterben.“

Gen 2, 4b-17

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.