Bearbeiten und Bewahren

Lebens Liturgien

Folge 25

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

So. Ein paar Folgen bleiben wir noch bei der zweiten Schöpfungsgeschichte – da warten nämlich noch ein paar sehr feine hilfreiche Entdeckungen auf uns. Im Anschluss gehen wir dann weiter und werden einige Folgen bei der großartigen Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus verweilen.

Jetzt aber erst noch mal die biblische Schöpfungsgeschichte. Wieder wird in unfassbar wenig Worten unfassbar viel Kostbares gesagt:

„So nahm Jahwe-Gott den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, um sie [ihn] zu bearbeiten und zu bewahren.“

Diese wenigen Worte bringen das, worum es in unserer menschlichen Arbeit geht, auf den Punkt. Unser menschliches Arbeiten besteht – wenn es sinnvoll sein soll – immer entweder im im Bearbeiten, Im Kreativ-Neuen, in der Innovation, im gestaltenden und verändernden Eingreifen. Oder im Beschützen und Bewahren dessen, was erhaltenswert ist. Es gibt Dinge in unserer Welt, die es zu bearbeiten gilt. Da müssen und dürfen wir neue Lösungen finden und kreativ gestalten, da brauchen wir Technik, Maschinen und Werkzeuge, da ist es unsere Aufgabe, zu experimentieren und Neues zu wagen.
Und dann gibt es Dinge, die wir bewahren müssen. Wo es um einen behutsamen Umgang geht, um ein Wertschätzen dessen, was bereits da ist, was uns geschenkt ist. Die Welt, die uns umgibt, ist nicht einfach nur ein Steinbruch, sie ist nicht einfach nur Material, das wir verbrauchen und ständig zu Neuem umformen. Nein. Sie ist kostbar. Natur ist kostbar. Traditionen sind kostbar. Erworbene Lebensweisheit ist kostbar. Unfassbar viel ist uns geschenkt und vieles davon ist gut, so wie es ist – oder bedarf nur leichter Modifikation.

Was für ein Persönlichkeitstyp bin ich? Liegt mir das behutsame Bewahren näher, der Blick für das, was wir keinesfalls aufgeben oder zerstören sollten? Oder liegt mir eher das kreative Gestalten? Die Suche nach neuen Lösungen?

Freiraum

Wenn wir anders leben wollen, achtsamer, genügsamer, leichter, wenn wir Wege aus den ökologischen Krisen unserer Zeit finden wollen, dann brauchen wir beides. Wir brauchen ein kluges Bewahren und Schützen der Natur. Dass wir der Natur wieder mehr Raum geben, weniger Natur verbrauchen, verschmutzen und zerstören. Wir müssen wieder langsamer werden, mehr Wahrnehmen lernen. Und wir brauchen neue Ideen und Lösungen. Wir brauchen neue technische Erfindungen – zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien. Wir brauchen neue Denkansätze in der Ökonomie und mit Blick auf unser gesellschaftliches Zusammenleben. Wir können nicht zurück in die gute alte Zeit, sondern nur vorwärts in Richtung einer hoffentlich besseren, heileren Zukunft.

In der Stille bete ich zu Gott um seinen Geist der Weisheit, dass wir neu das Bewahren lernen. Und um seinen Geist des Mutes. Dass mutig und klug neue Wege gehen …

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.