Der Mensch und die Tiere

Lebens Liturgien

Folge 28

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Manche Menschen nennen das 20. Jahrhundert das „Jahrhundert der Tiere“: Verhaltensforschung, Genetik und Dokumentar-Fotografie haben bis heute ein ungeahntes Wissen über Tiere und ihr Verhalten angesammelt. Die Beliebtheit von Tierfilmen, Zoo-Besuchen und Haustieren zeigt unsere enge Verbindung, unsere Liebe zu Tieren – oder zumindest unsere Faszination für sie.
Zugleich gilt: in den letzten hundert Jahren sind Tiere wie nie zuvor in einem unfassbaren Ausmaß zur Ware geworden, zu einer seelenlosen Ressource, die von uns Menschen in den Bereichen Fleischproduktion, Pharmaindustrie und Kosmetik ausgebeutet wird. Dazu kommt ein massives Artensterben: nie zuvor waren Tiere so chancenlos, so radikal uns Menschen unterworfen.

Angesichts all dessen hören wir auf wegweisende Worte aus der biblischen Schöpfungsgeschichte:

„Da formte Jahwe-Gott aus der Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels. Und er führte sie zum Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und so wie der Mensch die lebendigen Wesen nennen würde, sollten ihre Namen sein. Da gab der Mensch allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen.“

Es existiert also von Anfang an eine enge Verbindung von uns Menschen zu den Tieren. Wir teilen uns diese Welt mit den Tieren. Die ganze Schöpfung (Pflanzen, Menschen und Tiere) ist fein und unendlich komplex aufeinander abgestimmt und bezogen. Es gibt das eine nicht ohne das andere.

In der etwa einminütigen Stille gebe ich Erinnerungen Raum, wo ich diese enge Bezogenheit von Pflanzen, uns Menschen und Tieren erlebt habe. Wo ich – vielleicht bei einem Waldspaziergang, oder beim Wandern in den Bergen, oder beim Blick über das Meer – erlebt habe, dass Pflanzen, Menschen und Tiere miteinander geschaffen wurden und zusammengehören …

Freiraum

„Da formte Jahwe-Gott aus der Erde alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels. Und er führte sie zum Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde. Und so wie der Mensch die lebendigen Wesen nennen würde, sollten ihre Namen sein. Da gab der Mensch allem Vieh und den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen.“

Dieser Fokus auf dem Benennen der Tiere wirkt auf uns möglicherweise ein wenig seltsam. Was soll das heißen oder bedeuten? Was bezweckt Gott mit diesem Auftrag? Und wie soll das aussehen: den Tieren Namen geben?

In der hebräischen Vorstellungswelt des Alten Testaments spielt der Name eine für uns erstaunlich große Rolle. Während Namen für uns eher Schall und Rauch sind, sieht das im Alten Testament völlig anders aus. Gott stellt sich Mose im brennenden Dornbusch mit Namen vor. Gott benennt Jakob um in Israel. Adam, der erste Mensch, gibt jedem einzelnen Tier seinen Namen. Und Josef, der Vater von Jesus, bekommt vom Engel den Auftrag, seinen Sohn „Jeschua“ (Jesus), „Retter“ zu nennen.
Der Name bezeichnet im Hebräischen nämlich nicht irgendetwas Äußerliches, sondern das Innerste, das Wesen. Das Wesen Gottes, oder das Wesen eines Menschen, oder das Wesen eines Tieres. Wenn Adam hier von Gott den Auftrag bekommt, den Tieren Namen zu geben, dann will Gott damit, dass wir Menschen uns intensiv mit den Tieren beschäftigen sollen. Wir sollen sie beobachten, uns für sie interessieren, sie wertschätzen, sie beachten und achten.

Gibt es eine bestimmte Tierart, die mich besonders fasziniert? Über die ich staune, die mich interessiert, dich ich achte, vielleicht sogar liebe?

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.