Die Vorgeschichte – Teil 2

Lebens Liturgien

Folge 32

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Unsere Taten kommen selten aus dem Affekt, sind selten einfach nur eine spontane Handlung. Meistens reifen sie über eine lange Zeit in unserem Inneren heran, entstehen aus einer bestimmten inneren Haltung oder aus einer Sehnsucht oder aus lange angestauten Emotionen. Dass der Weg hin zum sogenannten Sündenfall von Adam und Eva ein langsamer, schleichender ist, begegnet gleich zu Anfang der Erzählung:

„Aber die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Jahwe-Gott gemacht hatte. “

Schlangen galten den Menschen im Alten Orient als besonders listig und raffiniert. Ihre Fortbewegung ist leise, ihre Tarnung hervorragend. Ihr Angriff erfolgt immer aus dem Hinterhalt und ihre Art zu töten scheint magisch: nur ein kleiner Biss, eine kleine rote Stelle – und dann wirkt das Gift, leise und langsam.

In der Erzählung rund um Adam und Eva besteht das langsame, leise Gift der Schlange in einigen wenigen Worten. Nur zwei kleine Bissen, zwei kleine rote Stellen: Eine Frage und ein Versprechen. Zuerst die Frage:

„Hat Gott tatsächlich gesagt, nicht von allen Bäumen im Garten sollt Ihr essen?“

Dieser kleine Biss bewirkt Misstrauen. Und dann das Versprechen:

„Ihr werdet keineswegs sterben. Gott weiß, an dem Tag, an dem Ihr davon esst, werden eure Augen aufgehen. Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und schlecht ist.“

Dieser kleine Biss weckt die Begierde. Dieses Versprechen von einem Mehr an Lebensqualität weckt in uns das Haben-Wollen.

Die Angst zu kurz zu kommen also, und die Begierde nach Mehr: beide Kräfte wirken wie Gift, wenn wir ihnen Raum geben. Wenn wir zulassen, dass sie sich in uns ausbreiten. Wenn wir das Gift unser Herz erreichen lassen.

Welches dieser beiden Gifte erlebe ich in unserer Gesellschaft und in meinem unmittelbaren Umfeld am stärksten? Wo nehme ich Angst wahr, zu kurz zu kommen? Und wo das fokussierte, begierige Haben-Wollen?

Freiraum

Die aktuelle Staffel unseres Podcasts lautet „Anders leben“. Im Hintergrund stehen die vielen lebensbedrohlichen ökologischen Krisen unserer Zeit – ausgelöst durch unsere Art des Wirtschaftens und des Konsums. Ausgelöst durch unsere Ansprüche und unsere Gier.

Was sind die Kräfte, die dazu führen, dass auch ich selbst ein Teil dieses Problems bin? Gibt es da in mir ein nagendes Misstrauen, eine Angst, zu kurz zu kommen? Eine Angst, dass das Geld nicht reicht oder dass ich auf zu vieles verzichten muss, wenn ich aus dem System möglichst konsequent aussteige?

Oder ist es das Versprechen von einem Zugewinn an Lebensqualität. Erscheinen mir bestimmte Produkte und Dienstleistungen dann doch allzu verlockend, als dass ich darauf verzichten möchte?

In der Stille schaue ich mit Gott gemeinsam auf meine Motive und auf die Kräfte, die dazu führen, dass ich selbst immer wieder Teil des Problems bin.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.