Gut. Für mich.

Lebens Liturgien

Folge 34

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Bevor dieser Podcast für eineinhalb Wochen pausiert, gönnen wir uns heute noch den Abschluss der Erzählung vom Sündenfall. Adam und Eva haben eine Weile hin und her überlegt, sie haben mit der Schlange diskutiert, sie haben ausführlich die Köstlichkeit der Früchte des Baumes der Erkenntnis meditiert … und schließlich von genau diesen Früchten gegessen. Was ist das Ergebnis? Was erkennen sie – nun, frisch erleuchtet durch die Erkenntnis-Früchte vom verbotenen Baum?

Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Da hefteten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.

Wenn mich nicht alles täuscht, begegnen wir hier zum ersten Mal in der Bibel dem großartigen Stilmittel der Ironie. „Ihr werdet sein wie Gott“ hatte die Schlange Adam und Eva versprochen. Tiefe, köstliche, lebensspendende Erkenntnis und Weisheit hatte sie in Aussicht gestellt. Und nun, wo Adam und Eva sich zum großen Misstrauensschritt gegen Gott durchgerungen haben, wo sie voll zittriger Vorfreude und Begierde in die Früchte des Baumes gebissen haben, was erkennen sie? Sie erkennen, dass sie nackt sind.

Eine Erkenntnis, die dabei für uns abfällt, ist, dass Sünde ganz schlicht nie das hält, was sie verspricht. Das gilt im individualethischen Bereich genauso wie mit Blick auf die Gesellschaft oder auf die Ökonomie als Ganzes. Das Verbotene, das Dunkle, der Egoismus und die Gier: nie liefern Schlange und Sünde wirklich etwas, wovon unser Herz dauerhaft leben könnte. Immer ist die glitzernde Verpackung um Welten attraktiver als der Inhalt.

In der Stille gehe ich auf die Suche nach eigenen Erlebnissen dieser Art. Wo bin ich auf falsche Versprechungen und schönen Schein hereingefallen und habe dem Dunklen, dem Egoismus und der Gier nachgegeben? Was waren die Ergebnisse?

Freiraum

Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Da hefteten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen.

Der Genuss der Erkenntnis-Früchte verändert in Adam und Eva etwas: sie erkennen, dass sie auf einmal etwas zu verbergen haben. Und Scham erwacht. Der Griff nach der Frucht des Erkenntnis-Baumes bewirkt in Adam und Eva eine tiefe Scham – und sie beginnen, Teile von sich zuzudecken und voreinander zu verbergen. Es ist, als ob sie im jeweils anderen auf einmal auch eine fremde und bedrohliche Seite spüren. Es scheint sich etwas verändert zu haben. Nur was?

Vielleicht das: der Griff nach der Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Schlechten verändert das Gute. Aus Sicht von uns Menschen gilt seither: das Gute ist das, was für mich gut ist, was für mich vorteilhaft ist. Wir sehen das Gute auf einmal durch eine ichbezogene Brille – genau wie die anderen auch. Und so werden wir zu Konkurrenten. Zu Menschen, die um das Gute konkurrieren. Und Schwächen sind in diesem Konkurrenzkampf gefährlich. Wir fürchten die Überlegenheit der anderen und bedecken verschämt und angstvoll unsere Schwächen. Wir errichten eine Fassade, setzen eine Maske auf und versuchen, das für uns Maximale herauszuholen.

Genau das ist der Grund, warum nur das Vertrauen in Gott uns heilen kann. Das Vertrauen, dass Er weiß, was wirklich gut ist und dass er uns damit beschenken wird: in materieller Hinsicht möglichweise mit weniger, als wir uns selbst zuteilen würden. In den Bereichen Friede, Freude, Liebe und Hoffnung dagegen mit mehr, als wir zu träumen wagen.

In der Stille bringe ich meine Angst, zu kurz zu kommen, und meine Scham vor Gott. Ich halte sie in sein Licht und bitte ihn, sie zu heilen und in Vertrauen zu verwandeln.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.