Zeit nehmen

Lebens Liturgien

Folge 41

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Theoretisch sind wir alle Millionäre: Zeit-Millionäre. Jedes Jahr stehen uns 31.536.000 Sekunden zur Verfügung. Das klingt nach viel Zeit. Ist es auch. Bloß fühlt es sich nicht so an. Wenn wir an „Zeit“ denken, verspüren die meisten von uns einen Mangel. Unsere Tage sind voll, schnell und laut. Und egal wieviel wir geschafft bekommen oder erleben: am Ende des Tages sind immer noch Aufgaben und Pläne übrig.

Eigentlich merkwürdig: Denn gemessen in Stunden und Jahren sind wir heute reicher als jemals zuvor. Keiner Generation bisher waren so viel Freizeit und eine so lange Lebensspanne beschert. Noch dazu haben wir Waschmaschinen, Spülmaschinen, Autos, Flugzeuge, Handys und Computer, wir können mit einem Klick kaufen und kriegen die Einkäufe nach Hause geliefert, es gibt Fertiggerichte und auch sonst alle möglichen Dienstleitungen, die uns dabei helfen, Zeit einzusparen.

Und doch rinnen den meisten von uns die Stunden und Tage immer schneller durch die Finger. Wir haben es eilig und hetzen uns. Unser Leben und unsere Welt scheinen sich ständig zu beschleunigen.

In der Stille schaue ich auf das, womit meine Tage gefüllt sind. Wieviel Zeit verbringe ich mit Arbeit? Wieviel mit häuslichen Pflichten? Wieviel Zeit verbringe ich mit meiner Familie und Freunden? Und wieviel mit Medien?

Freiraum

Wissenschaftler, die sich speziell mit der Zeit beschäftigen (sog. Zeitforscher) bestätigen, dass sich unsere Zeit seit einigen Jahren beständig beschleunigt und verdichtet. Technologien, die uns beim Zeitsparen helfen, beschleunigen und verdichten unsere Zeit an anderer Stelle und fressen die gewonnene Zeit mehr als auf. Dazu kommt eine Explosion von Optionen. Ja, wir haben deutlich mehr Zeit als Menschen vor einhundert Jahren. Aber wir haben auch unendlich viel mehr Optionen. Und je mehr Optionen wir haben, desto mehr davon wollen wir realisieren. Und so leben die meisten von uns ein extrem dichtes, volles, schnelles Leben.

Hören wir demgegenüber, was Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ schreibt:

„Die Natur ist voll von Worten der Liebe. Doch wie können wir sie hören mitten im ständigen Lärm, in der fortdauernden und begierigen Zerstreuung oder im Kult der äußeren Erscheinung? […] Eine ganzheitliche Ökologie beinhaltet auch, sich Zeit zu nehmen, um den ruhigen Einklang mit der Schöpfung wiederzugewinnen.“

(LS 225)

Wenn wir langsamer und achtsamer leben wollen, dann müssen wir uns aktiv dafür entscheiden. Dann müssen wir aktiv gegen die Beschleunigungs- und Verdichtungsmechanismen arbeiten, die uns umgeben – und die wir uns selbst angewöhnt haben. Wir müssen uns Zeit nehmen.

In der Stille überlege ich zusammen mit Gott, für wen oder was ich mir heute und in den kommenden Tagen bewusst Zeit nehmen will – und was ich im Gegenzug dafür ungetan lasse.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.