Geliebte Schöpfung – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 43

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Es macht einen gewaltigen Unterschied, wie wir über unsere Welt denken. Ist sie zufällig entstandene belebte Materie? Oder voller Liebe kreativ erschaffen von Gott, dem Liebhaber des Lebens?

Hier zwei kurze Zitate, die den Unterschied recht drastisch illustrieren:

Der berühmte Biologe und Nobelpreisträger Jacques Monod schrieb in einem seiner Bücher über den Menschen: „Der Mensch hat seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, seine Leiden und seine Verbrechen.“ (Monod, Zufall und Notwendigkeit)

Ganz anders klingen die kindlichen Worte der jungen Therese von Lisieux: „Auf dem Heimweg mit Papa betrachtete ich die glitzernden Sterne und dieser Anblick entzückte mich. Vor allem eine Gruppe von goldenen Perlen, den Gürtel des Orion, bemerkte ich mit Freude. Ich fand, sie habe die Gestalt eines T und sagte zu Papa: ‚Sieh doch, mein Name ist in den Himmel geschrieben.“

Wie nehme ich die Welt wahr? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.

Freiraum

Wir hören noch einmal auf die beiden Texte aus der letzten Folge über unsere Welt als geliebte Schöpfung Gottes. Zuerst die Worte von Papst Franziskus, dann die aus dem Buch der Weisheit:

„Von „Schöpfung“ zu sprechen ist für die jüdisch-christliche Überlieferung mehr als von „Natur“ zu sprechen. Denn bei der Schöpfung haben wir es mit einem Plan der Liebe Gottes zu tun, wo jedes Geschöpf einen Wert und eine Bedeutung besitzt. (…) Die Schöpfung ist eine Wirklichkeit, die vor Liebe leuchtet und die uns zu einer allumfassenden Gemeinschaft zusammenruft.“

(LS 76)

„Herr, du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast. Wie könnte etwas bleiben, wenn du nicht wolltest? Oder wie könnte erhalten werden, was du nicht gerufen hättest? Du schonst aber alles, denn es ist dein, Herr, du Liebhaber des Lebens.“

(Weisheit 11,24-26)

In der Stille gebe ich noch einmal dem inneren Bild von dieser Welt als einer von Gott zutiefst geliebten Schöpfung Raum.

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.