Prophetisch leben

Lebens Liturgien

Folge 50

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

In der letzten Folge hat uns dieses Zitat hier von Papst Franziskus beschäftigt:

„Die christliche Spiritualität ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein. Die ständige Anhäufung von Möglichkeiten zum Konsum lenkt das Herz ab und verhindert, jedes Ding und jeden Moment zu würdigen. Christliche Spiritualität ermutigt zu einer Rückkehr zu der Einfachheit, die es uns erlaubt, innezuhalten, um das Kleine zu würdigen. Sie führt uns hinein in eine Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die das Leben bietet und befreit uns davon, uns über das zu grämen, was wir nicht haben.“

(LS 222)

Im Nachdenken über diese Worte stecken wir immer noch in Satz eins: „Die christliche Spiritualität ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein.“ „Prophetisch“ nennt Papst Franziskus hier einen Lebensstil, der nicht auf Konsum versessen ist. „Prophetisch“ im Sinne von aufdecken, gegen den Strom schwimmen, kritisch hinterfragen. Und tatsächlich. Ein Lebensstil, der sich eine tiefe Unabhängigkeit gegenüber dem Konsum bewahrt, ist entlarvend. Wer nur das kauft, was unbedingt nötig ist, schwimmt gegen den Strom.

Das ist unangenehm und anstrengend. Zum einen für den Propheten selbst. Tag für Tag muss er sich gegen das Kaufen und Mitschwimmen entscheiden, gegen Annehmlichkeiten und die neuesten Trends. Die eigene Fassade aus Auto, Kleidung, Smartphone und Wohnung glitzert wenig. Die Urlaube weisen kaum Instagram-Qualitäten auf. Ein solcher Prophet wird unattraktiv für viele Menschen, deren Lebensstil eng mit dem Konsum verwoben bleibt.

Bin ich ein solcher Prophet? Wenn nein: warum nicht?

Freiraum

Ein prophetisches Leben ist unangenehm und anstrengend. Nicht nur für den Propheten selbst, sondern auch für Menschen, denen der Prophet Tag für Tag begegnet. Der Verzicht und die Einfachheit, die in einem solch prophetischen Lebensstil stecken, hinterfragen. Stören das unreflektierte Immer-weiter-so. Provozieren ein tieferes Nachdenken, eventuell sogar eine Verhaltensänderung.

Kenne ich solche Menschen? Menschen mit einem prophetischen Lebensstil des Verzichts und der Einfachheit? Was bewirkt das Lebensbeispiel dieser Menschen in mir?

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.