Das abgelenkte Herz

Lebens Liturgien

Folge 51

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Noch immer beschäftigt uns dieses Zitat hier von Papst Franziskus aus seiner Enzyklika „Laudato Si“:

„Die christliche Spiritualität ermutigt zu einem prophetischen und kontemplativen Lebensstil, der fähig ist, sich zutiefst zu freuen, ohne auf Konsum versessen zu sein. Die ständige Anhäufung von Möglichkeiten zum Konsum lenkt das Herz ab und verhindert, jedes Ding und jeden Moment zu würdigen. Christliche Spiritualität ermutigt zu einer Rückkehr zu der Einfachheit, die es uns erlaubt, innezuhalten, um das Kleine zu würdigen. Sie führt uns hinein in eine Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die das Leben bietet und befreit uns davon, uns über das zu grämen, was wir nicht haben.“

(LS 222)

„Die ständige Anhäufung von Möglichkeiten zum Konsum lenkt das Herz ab und verhindert, jedes Ding und jeden Moment zu würdigen.“ Warum ist das so?

Weil wir für die Würdigung von jedem Ding und jedem Moment sowohl Fokus brauchen als auch Zeit. Zuerst der Blick auf die Zeit. Um uns an einer Sache richtig freuen zu können, brauchen wir Zeit. Ein edles Waffeleisen macht nur Sinn, wenn wir uns regelmäßig die Zeit nehmen, auch wirklich miteinander Waffeln zu backen und zu genießen. Eine Smartwatch ergibt erst dann richtig Sinn, wenn wir sie – wie ursprünglich geplant – gemeinsam mit der Fitness-App zum regelmäßigen Sport treiben nutzen. Das schöne Oberteil braucht besondere Abende, an denen wir ausgehen. Der Roman, den wir uns neulich geleistet haben, will gelesen werden. Und so weiter und so fort.

Die Menge an Dingen und Dienstleistungen, die wir sinnvoll konsumieren können, ist begrenzt von der Zeit, die wir zur Verfügung haben. Es macht also viel mehr Sinn, wenn wir uns einige wenige, gut ausgewählte, Dinge leisten und uns anschließend (am besten zusammen mit anderen) ausgiebig daran freuen, als dass wir ständig hier und da Sonderangebote mitnehmen, die sich nach kürzester Zeit auf unseren Dachböden oder in unseren Kellern stapeln.

An welcher Anschaffung habe ich mich zuletzt anhaltend und intensiv gefreut – am besten sogar gemeinsam mit anderen?

Freiraum

Zeit ist also das eine, das wir zur Würdigung von jedem Ding und jedem Moment brauchen. Das andere ist Fokus. Konzentration. Papst Franziskus schreibt: „Die ständige Anhäufung von Möglichkeiten zum Konsum lenkt das Herz ab und verhindert, jedes Ding und jeden Moment zu würdigen.“

Die Tatsache, dass wir ein Kaufhaus mit Millionen und Abermillionen von Produkten in unserer Tasche herumtragen, macht uns ganz hibbelig. Tag und Nacht können wir mit nur einem Klick so ziemlich alles kaufen, was unser Herz begehrt – zur Not mit Null-Prozent-Finanzierung. Ständig stoßen wir auf Nachrichtenportalen und Social Media auf Werbeanzeigen, die perfekt auf uns zugeschnitten sind. Auf Schritt und Tritt werden wir zugeschüttet mit Möglichkeiten zum Konsum. Ständig jagt etwas neues Begehrenswertes durch unsere Gedanken und unser Herz. Da können die Dinge, die wir bereits haben, und die Momente, die wir erleben, noch so schön und kostbar sein: oft sind wir zu abgelenkt, zu sehr mit allem Möglichen beschäftigt, um jedes Ding und jeden Moment zu würdigen.

In seiner Enzyklika schreibt Papst Franziskus weiter:

„Genügsamkeit, die unbefangen und bewusst gelebt wird, ist befreiend. Sie bedeutet nicht weniger Leben, sie bedeutet nicht geringere Intensität, sondern ganz das Gegenteil. In Wirklichkeit kosten diejenigen jeden einzelnen Moment mehr aus und erleben ihn besser, die aufhören, auf der ständigen Suche nach dem, was sie nicht haben, hier und da und dort etwas aufzupicken.“

(LS 223)

In der Stille schaue ich mit Gott gemeinsam auf meinen Tag: welches Ding oder welchen Moment will ich heute ganz bewusst würdigen?

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.