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Lebens Liturgien

Folge 53

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“. Mithilfe der LebensLiturgien wollen wir uns mit Gott verbinden und uns von seinem Geist in die Freiheit führen lassen – in die Freiheit anders zu leben: einfacher, achtsamer, leichter.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Bibeltext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment. Und schaust mich liebevoll an.

„Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß:
in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
Du lässest Brunnen quellen in den Tälern, dass alle Tiere des Feldes trinken.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her, und machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“

aus Psalm 104

Herr, unser Gott! Die Welt ist dein –

in all ihrer Vielfalt und mit all ihren Wundern.

Lob sei dir und Dank dafür!

Auch ich bin dein.

So bitte ich: erfülle und leite mich mit deinem Heiligen Geist,

dass ich die Schönheit deiner Schöpfung wahrnehme

und auf eine Weise lebe,

die deine Welt bewahrt

und weltweit zum Segen wird für viele.

Amen

Beinahe jede Diät kennt den sogenannten Jojo-Effekt. Das Grundprinzip: für eine überschaubare Zeit, können wir auf bestimmte, für uns wichtige Dinge verzichten. Je länger wir jedoch verzichten, desto größer wird da in uns ein Loch, eine Sehnsucht, ein Bedürfnis. Irgendwann implodiert dann dieses Loch, bricht das Bedürfnis durch und wir futtern uns doppelt so schnell und doppelt so üppig durch das, was wir uns so lange versagt haben.

Die Lehre, die gut durchdachte, nachhaltig angelegte Diäten daraus ziehen, ist: es darf niemals über lange Zeit nur um Verzicht gehen. Es muss gelingen, an anderen Dingen Freude zu entwickeln. Wenn keine Schokolade, dann wenigstens gutes Obst. Wenn kein Wein, dann wenigstens ein besonderer Tee oder ein leckerer Saft. Satt essen muss sein – wenn nicht mit Baguette, dann eben mit Vollkornbrot.

Das gleiche gilt mit Blick auf unseren Konsum. Einfach nur dauerhaft so wenig wie möglich zu kaufen, hinterlässt ein Loch in uns. Es muss uns gelingen, an anderen Dingen Freude zu entwickeln. Genau zu diesem Ergebnis kommt auch Papst Franziskus:

„Man kann wenig benötigen und erfüllt leben, vor allem, wenn man fähig ist, das Gefallen an anderen Dingen zu entwickeln und in den geschwisterlichen Begegnungen, im Dienen, in der Entfaltung der eigenen Charismen, in Musik und Kunst, im Kontakt mit Natur und im Gebet Erfüllung zu finden.“

(LS 223)

Wir hören die Worte gleich noch einmal. Im Hören und in der anschließenden Stille achte ich darauf, an welchen der dort genannten „anderen Dinge“ ich bereits Gefallen habe und Erfüllung finde.

„Man kann wenig benötigen und erfüllt leben, vor allem, wenn man fähig ist, das Gefallen an anderen Dingen zu entwickeln und in den geschwisterlichen Begegnungen, im Dienen, in der Entfaltung der eigenen Charismen, in Musik und Kunst, im Kontakt mit Natur und im Gebet Erfüllung zu finden.“

(LS 223)

Freiraum

„Man kann wenig benötigen und erfüllt leben, vor allem, wenn man fähig ist, das Gefallen an anderen Dingen zu entwickeln und in den geschwisterlichen Begegnungen, im Dienen, in der Entfaltung der eigenen Charismen, in Musik und Kunst, im Kontakt mit Natur und im Gebet Erfüllung zu finden.“

(LS 223)

Das Dienen überrascht in dieser Aufzählung vielleicht am meisten. Wertvolle Begegnungen mit anderen Menschen. Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und Gaben. Freude an der Musik. Freude an Kunst. Freude an der Natur. Und Freude an Gebet. All das klingt nachvollziehbar. Aber dienen?

In der Stille erinnere ich mich an Zeiten und Momente, in denen ich anderen gedient habe. In denen ich bewusst Gutes für andere getan habe. In denen ich meine Zeit, meine Kraft, meinen Besitz, meine Aufmerksamkeit an andere verschenkt habe. Finde ich Gefallen an solchen Momenten? Finde ich Erfüllung in ihnen?

Freiraum

Herr, mein Gott!

Gib, dass ich heute deine Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind.

Schenke mir die Bereitschaft, den Menschen um mich herum

und deiner Schöpfung mit Hingabe zu dienen

und alles Gute, das du in sie hineingelegt hast, zu entfalten und zu bewahren.

Bewirke, o Herr, dass ich so voller Freude und Güte bin,

dass alle, die mir begegnen,

sowohl deine Gegenwart, als auch deine Liebe spüren.

Bekleide mich mit deiner Schönheit,

damit ich dich im Verlaufe dieses Tages offenbare.

Ehre sei dir, Vater, dir Sohn, und die Heiligem Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und dann allezeit und in Ewigkeit. Amen.