Psalm 1 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 58

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 1 (Luther 2017)

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

Psalm 1 wirbt für den Weg der Glückseligkeit. Für den Weg, auf dem wir in Beziehung treten mit Gott und auf diese Weise Anteil bekommen an Gottes durch und durch erfülltem Sein, an seinem göttlichen Leben, seiner göttlichen Freude und seiner tiefen, vollkommenen Ruhe. Um diesen Weg zu beschreiten, braucht es – nach Psalm 1 – eine doppelte Entscheidung. Zum einen die Entscheidung gegen ein falsches, ichzentriertes, zynisches Leben:

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, (…)

Die zweite Entscheidung, die es braucht, um den Weg der Glückseligkeit zu finden und zu gehen, ist diese hier:

(…) sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Jetzt ist das Wort „Gesetz“ hier nicht allzu glücklich gewählt. Bei „Gesetz“ denken viele von uns spontan an dicke Bücher voll kühl formulierter Regeln und Verbote. Im hebräischen Original steht hier aber das Wort „Thora“. „Thora“ steht für die ersten fünf Bücher Mose. In ihnen begegnen wir der faszinierenden Erschaffung der Welt, wir begegnen Gottes Treue gegenüber Abraham, Isaak und Jakob. Wir erleben, wie Gott sein Volk Israel aus Sklaverei und Bedrängnis befreit. Wir erleben Gottes Gnade und Güte, wenn Israel murrt oder sich sein eigenes Gottesbild gießt. Und wir lesen von einer Vielzahl von Anweisungen und Verboten, die Gott seinem Volk Israel gibt, als dieses sich – nach der Sklaverei in Ägypten – auf einmal selbst verwalten muss. Wie umgehen mit Besitz, Straftaten, sozial Schwachen und der Gegenwart Gottes im Zelt der Begegnung? Wie geht gutes Leben für ein ganzes Volk? Wie stellt Gott sich gelingendes Leben vor?

In welchen Bereichen des Lebens erlebe ich Regeln und Verbote, die von außen kommen, als hilfreich?

Freiraum

Für uns Christen ist die „Thora“, das Gesetz, die Weisung Gottes deutlich umfassender. Wir glauben, dass sich uns der Weg der Glückseligkeit erschließt, wenn wir uns tief hineingeben in die Worte des Alten und des Neuen Testaments. Wenn wir darüber nachsinnen Tag und Nacht. Auch hier begegnen wir Regeln und Verboten. Wir begegnen aber vor allem Gott und Jesus selbst – und Menschen, die Gott vertraut haben und Jesus nachgefolgt sind. Im Eintauchen in diese alten Worte und in der Herzens-Auseinandersetzung mit ihnen, treten wir in Beziehung mit unserem guten, dreieinigen Gott … und uns tut sich der Weg der Glückseligkeit auf. Wir entdecken gutes, gelingendes Leben.

Welches innere Bild habe ich von der Bibel? Denke ich, wenn ich „Bibel“ höre, an Leben, Freude, Ruhe und Glückseligkeit? Warum? Oder warum nicht?

Freiraum

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)