Psalm 1 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 59

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 1 (Luther 2017)

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

Psalm 1 wirbt – als großes Eingangsportal zum biblischen Buch der Psalmen – für den Weg der Glückseligkeit. Für einen Weg, den wir finden, wenn wir uns – immer neu – gegen Ichfokus und Zynismus entscheiden, und stattdessen für ein waches Auf-Gott-Achten, für ein frohes, erwartungsvolles Hören auf das, was von Ihm her kommt an Worten, Gedanken, Bildern und Gefühlen.

Wer so lebt, wer diesen Weg wählt, der ist vergleichbar mit einem Baum am Wasser, saftig-grün, voller Lebenskraft und Früchte. Ein solcher Baum bringt Früchte in Fülle, nicht weil er sich so sehr anstrengt, sondern weil er seine Wurzeln in gutem Boden hat. Die Nährstoffe aus Boden und Luft lassen ihn sich entfalten und verschenken. Wobei er seine Früchte ausdrücklich „zu seiner Zeit“ bringt: Fruchtbringen ist nichts, was auf Knopfdruck produzierbar wäre. Die Früchte – Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Treue und Selbstbeherrschung – reifen heran, wenn der Lebensraum, der Standort, die Nährstoffe stimmen. Sie brauchen Zeit, sich zu entwickeln.

Welche guten Früchte trage ich aktuell (= womit bin ich ein Segen für andere)? Und welche Früchte brauchen noch Zeit, um zu reifen?

Freiraum

Wer den Weg der Glückseligkeit wählt, ist also zum einen vergleichbar mit einem Baum: einem Baum, der gepflanzt ist an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Blätter nicht welken. Über einen solchen Menschen wird aber auch dies hier gesagt: „Und was er macht, das gerät wohl.“

Es entsteht das innere Bild von einem Menschen, der aus einer inneren Ruhe und Klarheit heraus handelt und sich auf Wesentliches konzentriert. Der die richtigen Dinge zur richtigen Zeit tut und dessen Vorhaben deshalb gelingen.

Wo habe ich im Moment das Gefühl, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun? Wo verspüre ich innere Ruhe und Klarheit?

Freiraum

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen,
sondern hat Lust am Gesetz des HERRN
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,
und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)