Psalm 2

Lebens Liturgien

Folge 60

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 2 (NGÜ)

Weshalb geraten die Nationen in Aufruhr?
Warum schmieden die Völker Pläne, die doch zum Scheitern verurteilt sind?
Die Könige dieser Welt stehen zum Angriff bereit,
und die Machthaber verbünden sich miteinander zum Kampf
gegen den Herrn und gegen den König, den er gesalbt hat.
»Befreien wir uns endlich von ihren Fesseln«, sagen sie,
»lasst uns die Ketten der Abhängigkeit zerbrechen!«

Doch der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie.
Darum kommt nun zur Einsicht, ihr Könige der Welt,
lasst euch warnen, ihr Richter auf Erden!
Dient dem Herrn mit Ehrfurcht, zittert vor ihm und jubelt ihm zu!

Ein Psalm wie ein Brett. Knallhart. Eine wuchtige Ansage, dass Gott allmächtig ist und vollen Anspruch auf sein Chef-Sein erhebt. Die Schärfe, die in diesen Worten spürbar wird, wurzelt in einer erbittert geführten Auseinandersetzung. Wobei: erbittert geführt wird diese Auseinandersetzung nur von einer Seite: von Seiten der Nationen, der Völker, der Könige. Von Seiten der Menschen also. Von den Fesseln, dass da ein anderer König ist als sie selbst, wollen sie sich befreien. Die Ketten der Abhängigkeit wollen sie zerbrechen. Ein Aufstand der Geschöpfe gegen ihren Schöpfer. Absolut frei wollen sie sein. Nur sich selbst verantwortlich. Tun und lassen was sie wollen.

Wie ist das bei mir: ärgere ich mich manchmal an Gottes Gott-Sein? Dass da einer über mir seine ganz eigenen Pläne hat: mit dieser Welt und mit meinem Leben? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.

Freiraum

„Von den Ketten der Abhängigkeit frei werden…“ – was soll das mit Blick auf Gott eigentlich heißen? Dass ich mir meine Gesundheit selbst verleihe? Dass ich mir so viel Lebenskraft nehme, wie ich gerne möchte? Dass ich in anderen Liebe für mich entstehen lasse? Dass ich über Erfolg und Gelingen frei verfüge?

Mag sein, dass das in meinen Ohren durchaus attraktiv klingt, aber es bleibt unsinnig. Komplett unmöglich. Ich bin und bleibe abhängig: von der Luft, die ich atme. Von den Menschen, die mich umgeben. Von so zentralen Faktoren wie Gesundheit, Inspiration und Liebe. Gott lacht über solche Versuche der Revolution – und es ist kein glückliches Lachen. Es ist ein Lachen, in dem die Lächerlichkeit eines solchen Aufstands widerhallt. Ein solcher Aufstand ist objektiv absurd. Er wird nie zur Entthronung Gottes führen, sondern lediglich zur Selbstzerstörung des Menschen. Gelingendes Leben gibt es immer nur mit Gott und nicht gegen ihn.

In der Stille mache ich mir meine vielen Abhängigkeiten bewusst … und nehme sie an. Lege sie Gott in die Hände. Vertraue mich seinem Handeln und seinen Plänen an.

Freiraum

Weshalb geraten die Nationen in Aufruhr?
Warum schmieden die Völker Pläne, die doch zum Scheitern verurteilt sind?
Die Könige dieser Welt stehen zum Angriff bereit,
und die Machthaber verbünden sich miteinander zum Kampf
gegen den Herrn und gegen den König, den er gesalbt hat.
»Befreien wir uns endlich von ihren Fesseln«, sagen sie,
»lasst uns die Ketten der Abhängigkeit zerbrechen!«

Doch der im Himmel thront, lacht, der Herr spottet über sie.
Darum kommt nun zur Einsicht, ihr Könige der Welt,
lasst euch warnen, ihr Richter auf Erden!
Dient dem Herrn mit Ehrfurcht, zittert vor ihm und jubelt ihm zu!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)