Psalm 3

Lebens Liturgien

Folge 61

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 3 (NGÜ)

Herr, wie zahlreich sind doch meine Feinde!
Sie behaupten: »Gott wird ihn nicht retten.«

Du aber, Herr, bist der Schild, der mich schützt,
Du selbst richtest mich immer wieder auf.

Ich konnte mich hinlegen und ruhig schlafen;
wohlbehalten bin ich wieder aufgewacht.

Denn der Herr ist mein Schutz.
Hilfe und Rettung kommt alleine vom Herrn!

Zahlreich sind manchmal die Feinde. Und wenn schon nicht Feinde, so doch Menschen und viel öffentliche Meinung, die behaupten: Gott kann und wird nicht retten. Gott ist kein relevanter Faktor. In Krankheiten und Krisenzeiten bleibt Gott fern: ein schöner Gedanke, aber letztlich ohne wirklichkeitsverändernde Kraft. Alles Hoffen und Warten auf Gott ist umsonst.

„Der Herr aber ist mein Schutz. Hilfe und Rettung kommt alleine vom Herrn!“ Dieses Gegen-Bekenntnis des Beters kommt als Gewissheit daher. Und doch ist sie eine angefochtene Gewissheit. Denn der Beter steht mit dieser Gewissheit allein auf weiter Flur.

Die natürliche Situation von Wahrheit ist es, von vielen gesehen und geteilt zu werden. Eine Wahrheit, die von vielen bestritten wird, verliert einen Teil ihrer Überzeugungskraft. Auf einmal gerät die eigentlich so feste Gewissheit ins Wanken. Sie gerät unter den Verdacht, nur eine Illusion zu sein. Und doch endet der Beter bewusst mit dieser Gewissheit. Lässt sie das letzte Wort haben.

Welche Glaubensgewissheit ist bei mir ins Wanken geraten? Will ich sie neu bekräftigen, ihr neu das letzte Wort geben?

Freiraum

„Ich konnte mich hinlegen und ruhig schlafen; wohlbehalten bin ich wieder aufgewacht. Denn der Herr ist mein Schutz. Hilfe und Rettung kommt alleine vom Herrn!“

Wer glaubt, interpretiert die Wirklichkeit im Licht seines Glaubens. Hier nimmt der Psalmbeter eine – trotz feindlicher Verfolgung – ruhige Nacht als Zeichen, dass Gott selbst ihn schützt und ihm hilft.

Für den Unglauben hat das eigene Erleben keinen höheren Sinn: alles ist Zufall. Für den Glauben jedoch gibt es keinen Bereich im eigenen Leben, der nicht irgendwie mit Gott in Verbindung steht. Alles, was geschieht, muss zuvor irgendwie an Gott vorbei, kommt entweder aus seiner guten Hand oder wird von Gott – warum auch immer – zugelassen.

In Gedanken gehe ich durch meine letzten Tage: an welche kleineren oder größeren Ereignisse kann ich mich erinnern? Ich nehme eines dieser Ereignisse und frage Gott: wie steht das mit dir in Verbindung?

Freiraum

Herr, wie zahlreich sind doch meine Feinde!
Sie behaupten: »Gott wird ihn nicht retten.«

Du aber, Herr, bist der Schild, der mich schützt,
Du selbst richtest mich immer wieder auf.

Ich konnte mich hinlegen und ruhig schlafen;
wohlbehalten bin ich wieder aufgewacht.

Denn der Herr ist mein Schutz.
Hilfe und Rettung kommt alleine vom Herrn!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)