Psalm 4

Lebens Liturgien

Folge 62

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 4

Wenn ich rufe, antworte mir, Gott meiner Gerechtigkeit!
Sei mir gnädig und höre mein Gebet!

„Wer lässt uns Gutes erwarten?“, fragen so viele.
Herr, lass dein Ansicht leuchten über uns!

In Frieden lege ich mich hin zum Schlaf,
denn du allein, HERR, lässt mich sicher wohnen.

„Wenn ich rufe, antworte mir, Gott meiner Gerechtigkeit! Sei mir gnädig und höre mein Gebet!“ so eröffnet der Beter dieses Psalms sein Gebet. Interessant ist: es folgt gar keine bestimmte Bitte, es wird keine spezielle Not genannt. Keine Krankheit, keine Feinde, keine eigene Schuld. Und doch die Bitte: „Wenn ich rufe, antworte mir! Sei mir gnädig und höre mein Gebet!“

Aber ist diese Bitte nicht vielleicht die schönste und grundlegendste von allen? Die Bitte darum, dass Gott uns gnädig-liebevoll zugewandt ist, dass Gott uns hört, sich für uns interessiert und auf unsere Kontaktaufnahmen reagiert, dass Gott antwortet.

Robert Spaemann schreibt in seinen Psalmen-Auslegungen: „Vom ersten Gebet des Abel und des Kain an ist das Entscheidende für den Menschen, sich zu vergewissern, ob er mit seiner Zuwendung zu Gott letzten Endes nicht doch nur bei sich selbst bleibt, oder ob die Verbindung zu Gott eine reale ist, das heißt eine gegenseitige. Dieses von Gott tatsächlich Gemeint-, Gewollt- und Geliebt-Sein hat stets den Charakter des freien, gnädigen Geschenks.“

In der Stille wende ich mich an Gott und bitte ihn um seine gnädig-liebevolle Zuwendung zu mir, bitte ihn um sein Hören und Antworten.

Freiraum

Dass auf die grundlegende Eingangsbitte um Erhörung wie vorhin behauptet überhaupt keine spezielle Bitte folgt, stimmt nicht ganz. Es folgt eine Bitte, nämlich die hier: „Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns.“ Auch hier wieder: wie zwar irgendwie allgemein, aber eben auch durch und durch wunderschön und tief ist diese Bitte! Wenn Gott sich zeigt, wenn sein Glanz aufleuchtet und unser Leben – ähnlich wie die Abendsonne – in die intensiven Farben seines göttlichen Lichtes taucht, verschwinden alle Fragen und Bitten in uns. Werden wir still. Ein tiefer Frieden hüllt uns ein.

Vermutlich niemand von uns erlebt dies dauerhaft oder auch nur regelmäßig. Aber selbst einige wenige Erfahrungen dieser Art verleihen unserem Glauben ein stilles, tiefes Leuchten. Eine Ahnung von der Schönheit und Liebe Gottes. Leucht-Erfahrungen dieser Art verankern eine Sehnsucht nach Gott, eine Sehnsucht nach Christus in uns, die uns immer wieder und immer wieder neu zu ihm hin ziehen.

Hatte ich schon einmal solche „Leucht-Erfahrungen“? Momente, in denen Gott mein Leben in sein Licht und seinen Frieden eingehüllt hat – vielleicht sogar mitten in aufgewühlten Zeiten?

Freiraum

Wenn ich rufe, antworte mir, Gott meiner Gerechtigkeit!
Sei mir gnädig und höre mein Gebet!

„Wer lässt uns Gutes erwarten?“, fragen so viele.
Herr, lass dein Ansicht leuchten über uns!

In Frieden lege ich mich hin zum Schlaf,
denn du allein, HERR, lässt mich sicher wohnen.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)