Psalm 5 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 63

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 5

Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden,
höre doch, wie ich seufze!

Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen,
mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich!

Du bist ein Gott, dem es nicht gefällt, wenn Menschen sich dir widersetzen.
Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.

Herr, erweise mir deine Treue
und leite mich auf dem richtigen Weg,
tu es meinen Feinden zum Trotz!

Aus dem Mund dieser Menschen kommt kein verlässliches Wort,
ihr Herz ist voller Bosheit.
Ihr Rachen gleicht einem offenen Grab,
und ihre Zunge gebrauchen sie nur, um zu betrügen.

Sprich sie schuldig, o Gott!
Sollen sie doch selbst zu Fall kommen durch ihre hinterhältigen Pläne!

Du aber, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind,
deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild.

In diesem Psalm begegnen wir zum ersten Mal zwei schwierigen Themen, denen wir noch öfter begegnen werden. Zum einen wird Gott hier zum ersten Mal – beinahe lustvoll – zur Bestrafung der Feinde aufgefordert. Immer wieder begegnen uns in den Psalmen wuchtige Verdammungsworte, ja sogar Flüche Feinden gegenüber. Zum anderen begegnet uns in diesen Zusammenhängen stets eine irritierende Selbstgewissheit des Beters, auf jeden Fall und zu 100% auf der richtigen Seite zu stehen. Während das Herz der Feinde stets überquillt von Niedertracht und Bosheit, finden sich im Herzen des Beters nur Treue zu Gott und Gerechtigkeit. Diese Kombination aus Abscheu und Verachtung auf der einen und Selbstgerechtigkeit auf der anderen Seite ist keine besonders gesunde oder heilige Haltung.

Gibt es im Moment Konflikte in meinem Leben? Einen Streit oder eine Auseinandersetzung? Welche Gedanken und Gefühle toben da aktuell in mir? Was empfinde ich gegenüber der gegnerischen Seite? Und was denke ich über mich und meine Position?

Freiraum

So irritierend viele Worte in den Psalmen über Feinde auch sein mögen, in einer Sache sehen sie klar: es ist nicht egal, wie wir Menschen leben. Gott ist kein unbewegliches Sein über unserem Leben. Sondern Gott ist radikal parteiisch. Er ist ein leidenschaftlicher Streiter für Gerechtigkeit und Wahrheit. Wer andere Menschen klein macht, lügt und rücksichtslos lebt, tritt gegen Gott an, macht sich Gott zum Gegner.

Gibt es Bereiche in meinem familiären Umfeld oder in meinem Arbeitsumfeld, wo ich mich – anders als Gott – mit Ungerechtigkeit arrangiert habe? Wo ich Halbwahrheiten hinnehme? Wo ich in einer ethischen Grauzone agiere? In der Stille bitte ich Gott um Vergebung und um Veränderung.

Freiraum

Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden,
höre doch, wie ich seufze!

Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen,
mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich!

Du bist ein Gott, dem es nicht gefällt, wenn Menschen sich dir widersetzen.
Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.

Herr, erweise mir deine Treue
und leite mich auf dem richtigen Weg,
tu es meinen Feinden zum Trotz!

Aus dem Mund dieser Menschen kommt kein verlässliches Wort,
ihr Herz ist voller Bosheit.
Ihr Rachen gleicht einem offenen Grab,
und ihre Zunge gebrauchen sie nur, um zu betrügen.

Sprich sie schuldig, o Gott!
Sollen sie doch selbst zu Fall kommen durch ihre hinterhältigen Pläne!

Du aber, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind,
deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)