Psalm 5 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 64

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 5

Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden,
höre doch, wie ich seufze!

Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen,
mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich!

Du bist ein Gott, dem es nicht gefällt, wenn Menschen sich dir widersetzen.
Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.

Herr, erweise mir deine Treue
und leite mich auf dem richtigen Weg,
tu es meinen Feinden zum Trotz!

Aus dem Mund dieser Menschen kommt kein verlässliches Wort,
ihr Herz ist voller Bosheit.
Ihr Rachen gleicht einem offenen Grab,
und ihre Zunge gebrauchen sie nur, um zu betrügen.

Sprich sie schuldig, o Gott!
Sollen sie doch selbst zu Fall kommen durch ihre hinterhältigen Pläne!

Du aber, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind,
deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild.

In der letzten Folge haben wir gemerkt, dass es wenig ratsam ist, alle Worte dieses Psalms völlig unreflektiert zu unseren eigenen zu machen. Weder ist alles in uns immer nur heilig, treu und gerecht. Noch ist alles an unseren Feinden immer nur falsch, abgründig und bösartig.

Um eigener Selbstgerechtigkeit vorzubeugen, wechseln wir einfach mal die Seite und prüfen, ob von den Worten, die hier über die Feinde gesagt werden, auch etwas auf uns zutrifft.

Aus dem Mund dieser Menschen kommt kein verlässliches Wort,

ihr Herz ist voller Bosheit.

Ihr Rachen gleicht einem offenen Grab,

und ihre Zunge gebrauchen sie nur, um zu betrügen.

C.S. Lewis schreibt: „Von kaum einem Übel ist in den Psalmen häufiger die Rede als von den Sünden der Zunge. Man sollte meinen, dass in jener gewalttätigeren Zeit damals mehr Böses mit dem Dolch oder dem Knüppel verübt wurde. Der ganze Psalter jedoch ist voll von Worten über die Übel der Zunge. Man hört förmlich das unaufhörliche Geflüster und Geschnatter, die Lügen, die Beschimpfungen, die Schmeicheleien und die geraunten Gerüchte.“

Wo und wem gegenüber habe ich zuletzt meine Zunge als Waffe eingesetzt? Wo habe ich lieblos oder unbedacht geredet? Wo habe ich gelästert oder Gerüchte weitergetragen? In der Stille bitte ich Gott um Vergebung und zeichne ein kleines Kreuz über meinen Lippen mit der Bitte: „Segne meine Zunge, dass ich heute Gutes sage:“

Freiraum

So. Jetzt waren wir für eine kleine Weile der Feind. Nun wechseln wir die Seite: „Du aber, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind, deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild.“ Mit diesen Worten endet der Psalm.

Gott sieht und wertschätzt unsere Bemühungen, ihm und den Menschen um uns herum treu zu sein. Auf Treue ruht Gottes Segen. Wo wir treu sind, wachsen Beziehungen und Vertrauen.

In der Stille versuche ich, mit eigenen Worten Gott gegenüber meine Treue auszudrücken.

Freiraum

Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden,
höre doch, wie ich seufze!

Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen,
mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich!

Du bist ein Gott, dem es nicht gefällt, wenn Menschen sich dir widersetzen.
Niederträchtige duldest du nicht in deiner Gegenwart.

Herr, erweise mir deine Treue
und leite mich auf dem richtigen Weg,
tu es meinen Feinden zum Trotz!

Aus dem Mund dieser Menschen kommt kein verlässliches Wort,
ihr Herz ist voller Bosheit.
Ihr Rachen gleicht einem offenen Grab,
und ihre Zunge gebrauchen sie nur, um zu betrügen.

Sprich sie schuldig, o Gott!
Sollen sie doch selbst zu Fall kommen durch ihre hinterhältigen Pläne!

Du aber, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind,
deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)