Psalm 6 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 66

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 6 (Luther 2017)

Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn!
HERR, sei mir gnädig, denn ich bin schwach;
heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken
und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, HERR, wie lange!

Wende dich, HERR, und errette meine Seele,
hilf mir um deiner Güte willen!

Denn im Tode gedenkt man deiner nicht;
wer wird dich bei den Toten preisen?

Ich bin so müde vom Seufzen;
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht
und netze mit meinen Tränen mein Lager.

Weichet von mir, alle Übeltäter;
denn der HERR hört mein Weinen.

Der HERR hört mein Flehen;
mein Gebet nimmt der HERR an.

Als Christen irritieren uns diese Sätze über den Tod: „Denn im Tode gedenkt man deiner nicht; wer wird dich bei den Toten preisen?“ Ist nicht gerade der Tod der Ort, wo wir Gott preisen? Oder präziser formuliert: ist nicht gerade die Ewigkeit, also das, was auf den Tod folgt, der Zustand, in dem Gott alles in allem sein wird? In dem Leben, Freude, Jubel und Lobpreis alles durchdringen?

Viele Bücher des Alten Testaments wissen von einer solchen Hoffnung noch nichts. Zur Zeit der Entstehung der Psalmen spielte die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod keine Rolle. Wer starb, kam in den „Scheol“, in das Totenreich, eine Welt der undeutlichen Schatten und des Verfalls. Mehr ein „Nichts“ als „Etwas“.

Welche Rolle spielt für mich meine Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Inwiefern leuchtet das, was ich im Licht meines Glaubens an Jesus Christus als Ewigkeit erkenne, in mein Leben hinein? Üben der neue Himmel und die neue Erde auf mich eine Anziehungskraft aus? Warum? Oder warum nicht?

Freiraum

C.S. Lewis schreibt: „Mir scheint, dass Glück oder Elend nach dem Tod, allein für sich betrachtet, überhaupt keine religiösen Fragen sind. Wer daran glaubt, tut natürlich gut daran, sich um das eine zu bemühen und das andere zu vermeiden. Aber mit Religion scheint mir das genauso wenig zu tun zu haben wie die Sorge für die eigene Gesundheit oder die finanzielle Vorsorge fürs Alter. Es sind ja Hoffnungen für mich selbst und Ängste um mich selbst. Gott steht dabei nicht im Mittelpunkt. Zum Glück hat Gott dafür gesorgt, dass ein Glaube dieser selbstsüchtigen Art äußerst schwierig durchzuhalten ist. Bei den meisten von uns ist der Glaube an das zukünftige Leben nur dann stark, wenn Gott im Mittelpunkt unserer Gedanken steht.“

Es ist also die Liebe zu Gott und das Verlangen nach seiner Gegenwart, die uns über den Tod hinaus hoffen lässt. Die uns mit Sehnsucht nach ewiger Gottes- und Christus-Gemeinschaft erfüllt.

Steht Gott aktuell im Mittelpunkt meiner Gedanken? Was motiviert meinen Glauben? Hoffe ich auf (irdische oder himmlische) Belohnung? Oder ist es vor allem Liebe zu Gott, die mich treibt? Was motiviert meinen Glauben?

Freiraum

Ach, HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn!
HERR, sei mir gnädig, denn ich bin schwach;
heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind erschrocken
und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach du, HERR, wie lange!

Wende dich, HERR, und errette meine Seele,
hilf mir um deiner Güte willen!

Denn im Tode gedenkt man deiner nicht;
wer wird dich bei den Toten preisen?

Ich bin so müde vom Seufzen;
ich schwemme mein Bett die ganze Nacht
und netze mit meinen Tränen mein Lager.

Weichet von mir, alle Übeltäter;
denn der HERR hört mein Weinen.

Der HERR hört mein Flehen;
mein Gebet nimmt der HERR an.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)