Psalm 7 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 68

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 7 (NGÜ)

Herr, mein Gott, bei dir finde ich Zuflucht.
Hilf mir und rette mich vor all meinen Verfolgern!

Der Herr ist Richter über die Völker.
Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil;
denn ich lebe nach deinem Willen, ich bin rein von aller Schuld.

Du bist ein gerechter Gott!
Du prüfst die Herzen der Menschen
und weißt, was in ihnen vorgeht.

Sieh doch: Da brütet jemand Böses aus,
er geht schwanger mit Unheil, er gebiert nichts als Lüge.
Er gräbt anderen eine Grube und schaufelt sie aus –
dann stürzt er in seine selbstgemachte Falle!
Das Unheil, das er plant, es trifft nun ihn,
was er sich ausgedacht hat, bricht jetzt über ihn herein.

Ich will den Herrn für seine Gerechtigkeit preisen.
Zur Ehre seines Namens singe ich einen Psalm –
für ihn, den Herrn, den Höchsten!

Wieder geht es in diesem Psalm um Bedrängnis und um Verfolgung. Und wieder wird Gott als Richter angerufen, wird Gerechtigkeit von ihm her herbeigesehnt und herbeigebetet.

Wer braucht eigentlich Richter? Die Starken wohl eher nicht. Denn die Starken können für sich selbst sorgen, können sich nehmen, was sie brauchen oder wollen. Für Starke ist Gerechtigkeit sogar eher ein limitierender Faktor, eine Grenze.

Schwache dagegen sind auf gerechte Richter angewiesen. Sie sind bedürftig, spüren die Wucht und die Eigendynamik der Welt da draußen, erleben ihre eigene Begrenztheit – und sind Gott deshalb oft näher.

Jesus sagt: „Für Reiche und Starke ist es schwer, ins Himmelreich einzugehen.“ (vgl Markus 10,23). Stattdessen spricht Jesus die Armen und die Schwachen selig. (vgl Lukas 6,20f.) Und Gott spricht Paulus in die Seele: „Meine Kraft ist gerade in deiner Schwachheit mächtig.“ (2. Korinther 12,9)

An welchen Stellen meines Lebens bin ich schwach und bedürftig? Leonard Cohen singt: „There is a crack in everything, that’s how the light get’s in.“

Freiraum

„Der Herr ist Richter über die Völker. Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil, denn ich lebe nach deinem Willen …“

Ein solches Gebet ist durchaus riskant. Denn es ist gar nicht so einfach, nach Gottes Willen zu leben. Im Grunde kann ich Gott nur dann um ein gerechtes Urteil bitten, wenn ich ihm mein eigenes Herz und mein eigenes Leben regelmäßig hinhalte. Wenn ich mein Inneres mitsamt den dunklen Flecken und Abgründen immer wieder in Gottes Licht stelle und von ihm her Vergebung, Reinigung und Heilung empfange. Nur so, nur auf diese Weise gereinigt, geheilt und erneuert, kann ich Gott um ein gerechtes Urteil über mich bitten.

„Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil …“ Welche dunklen Flecken und Abgründe in meinem Herzen halten mich aktuell davon ab, Gott um ein gerechtes Urteil über mich zu bitten?

Freiraum

Herr, mein Gott, bei dir finde ich Zuflucht.
Hilf mir und rette mich vor all meinen Verfolgern!

Der Herr ist Richter über die Völker.
Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil;
denn ich lebe nach deinem Willen, ich bin rein von aller Schuld.

Du bist ein gerechter Gott!
Du prüfst die Herzen der Menschen
und weißt, was in ihnen vorgeht.

Sieh doch: Da brütet jemand Böses aus,
er geht schwanger mit Unheil, er gebiert nichts als Lüge.
Er gräbt anderen eine Grube und schaufelt sie aus –
dann stürzt er in seine selbstgemachte Falle!
Das Unheil, das er plant, es trifft nun ihn,
was er sich ausgedacht hat, bricht jetzt über ihn herein.

Ich will den Herrn für seine Gerechtigkeit preisen.
Zur Ehre seines Namens singe ich einen Psalm –
für ihn, den Herrn, den Höchsten!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)