Psalm 7 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 69

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 7 (NGÜ)

Herr, mein Gott, bei dir finde ich Zuflucht.
Hilf mir und rette mich vor all meinen Verfolgern!

Der Herr ist Richter über die Völker.
Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil;
denn ich lebe nach deinem Willen, ich bin rein von aller Schuld.

Du bist ein gerechter Gott!
Du prüfst die Herzen der Menschen
und weißt, was in ihnen vorgeht.

Sieh doch: Da brütet jemand Böses aus,
er geht schwanger mit Unheil, er gebiert nichts als Lüge.
Er gräbt anderen eine Grube und schaufelt sie aus –
dann stürzt er in seine selbstgemachte Falle!
Das Unheil, das er plant, es trifft nun ihn,
was er sich ausgedacht hat, bricht jetzt über ihn herein.

Ich will den Herrn für seine Gerechtigkeit preisen.
Zur Ehre seines Namens singe ich einen Psalm –
für ihn, den Herrn, den Höchsten!

„Das Unheil, das er plant, es trifft nun ihn, was er sich ausgedacht hat, bricht jetzt über ihn herein.“ Natürlich gibt es zu dieser Wirklichkeit auch Gegenbeispiele. Psalm 73 zum Beispiel arbeitet sich frustriert am scheinbaren Glück der Gottlosen und Bösen ab.

Aber es gilt eben doch auch erstaunlich oft: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Gott muss häufig nicht erst mühsam Strafen von außen verhängen, sondern die böse Tat trägt die bösen Folgen bereits in sich selbst. Wer lügt, verspielt Vertrauen. Wer andere seine Macht spüren lässt, wird einsam. Wer gierig nach immer mehr Geld oder Vergnügen strebt, wird niemals satt. Es scheint der Ordnung dieser Welt eingestiftet zu sein: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt – früher oder später – selbst hinein.

In der Stille gehe ich in Gedanken entweder durch mein eigenes Leben oder durch das Leben eines Menschen aus meinem Umfeld und versuche, diese Gesetzmäßigkeit zu entdecken.

Freiraum

„Ich will den Herrn für seine Gerechtigkeit preisen. Zur Ehre seines Namens singe ich einen Psalm – für ihn, den Herrn, den Höchsten!“

Das Ende des Psalms ist Jubel. Jubel darüber, dass spätestens ganz am Ende alles in dieser Welt von Gott zurechtgebracht werden wird. Dass Gott jede Tat auf angemessene Weise würdigen wird. Dass am Ende nichts offenbleiben wird, dass kein böses Tun triumphierend übrigbleiben wird.

In der Stille halte ich mir besonders dramatische Ungerechtigkeiten vor Augen – sei es in meinem direkten Umfeld oder da draußen in der Welt. Ich bitte Gott um sein gerechtes, richtendes Eingreifen und lobe Gott abschließend für seine Gerechtigkeit.

Freiraum

Herr, mein Gott, bei dir finde ich Zuflucht.
Hilf mir und rette mich vor all meinen Verfolgern!

Der Herr ist Richter über die Völker.
Sprich du, Herr, auch über mich ein gerechtes Urteil;
denn ich lebe nach deinem Willen, ich bin rein von aller Schuld.

Du bist ein gerechter Gott!
Du prüfst die Herzen der Menschen
und weißt, was in ihnen vorgeht.

Sieh doch: Da brütet jemand Böses aus,
er geht schwanger mit Unheil, er gebiert nichts als Lüge.
Er gräbt anderen eine Grube und schaufelt sie aus –
dann stürzt er in seine selbstgemachte Falle!
Das Unheil, das er plant, es trifft nun ihn,
was er sich ausgedacht hat, bricht jetzt über ihn herein.

Ich will den Herrn für seine Gerechtigkeit preisen.
Zur Ehre seines Namens singe ich einen Psalm –
für ihn, den Herrn, den Höchsten!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)