Psalm 8 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 70

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 8 (NeÜ)

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name überall auf der Welt!

Über den Himmel breitest du deine Hoheit aus,
und aus dem Mund von Kindern und Säuglingen schaffst du dir Lob,
ein Bollwerk, das deine Gegner beschämt und alle Feinde zum Schweigen bringt.

Sooft ich den Himmel ansehe, das Werk deiner Hand,
den Mond und die Sterne, die du gemacht hast:
Was ist da der Mensch, dass du an ihn denkst,
der Adamssohn, dass du Acht auf ihn hast?

Du hast ihn nur wenig unter die Engel gestellt
und krönst ihn mit Ehre und Pracht.
Du lässt ihn herrschen über alles, was durch deine Hände entstand:
über Schafe und Rinder und auch die wilden Tiere im Feld,
die Vögel in der Luft, die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name überall auf der Welt!

Laut Schöpfungserzählung vollendet Gott die Welt am siebten Schöpfungstag und spricht sein göttliches „Siehe, es ist sehr gut!“ über ihr aus. Im achten Psalm begegnet uns nun das menschliche Echo darauf: David, der Beter des Psalms, erkennt in der Herrlichkeit unserer Welt einen Widerschein der Herrlichkeit Gottes. Auch David ruft nun aus: „Siehe, es ist sehr gut! Wie herrlich ist dein Name, Herr, überall auf der Welt!“ Sein nächtlicher Blick geht hinauf in den Himmel, verweilt bei der endlosen Weite, dem Mond und den Sternen – und in ihm wächst Staunen.

In der Stille lasse auch ich meinen Blick gen Himmel wandern. Worüber staune ich?

Freiraum

„Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen schaffst du dir Lob, ein Bollwerk, das deine Gegner beschämt und alle Feinde zum Schweigen bringt.“

Jedes Lächeln eines kleinen Säuglings ist ein Lob Gottes. Kinderlieder ebenfalls. Auch das entzückte Entdecken von fallenden Klötzen und steigenden Luftballons. Durch all das sprechen auch kleine Kinder ihr „Siehe, es ist sehr gut!“

Robert Spaemann schreibt in seiner Auslegung zu Psalm 8:

„Der Philosoph Descartes meinte, alles Unglück der Menschen rühre daher, dass sie immer wieder als Kinder zur Welt kommen und so die Vernunft nie zur autonomen Entfaltung gelange. In Wirklichkeit gilt: In einer Welt der Feindschaft und des Aufstandes gegen Gott ist eben dies die Rettung. Was auch immer der Verführer der Menschen anstellt, um das Lob Gottes zu ersticken – immer von Neuem schlagen Kinder und Säuglinge ihre unbefangenen Augen auf, lachen, folgen dem Licht und bereiten dem Feind so neue Niederlagen.“

Wann hat mich zuletzt das Lachen eines kleinen Kindes aus dunklen, selbstbezogenen Gedanken gerettet? Wann habe ich mich zuletzt anstecken lassen von der Lebendigkeit und Freude eines kleineren oder größeren Kindes?

Freiraum

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name überall auf der Welt!

Über den Himmel breitest du deine Hoheit aus,
und aus dem Mund von Kindern und Säuglingen schaffst du dir Lob,
ein Bollwerk, das deine Gegner beschämt und alle Feinde zum Schweigen bringt.

Sooft ich den Himmel ansehe, das Werk deiner Hand,
den Mond und die Sterne, die du gemacht hast:
Was ist da der Mensch, dass du an ihn denkst,
der Adamssohn, dass du Acht auf ihn hast?

Du hast ihn nur wenig unter die Engel gestellt
und krönst ihn mit Ehre und Pracht.
Du lässt ihn herrschen über alles, was durch deine Hände entstand:
über Schafe und Rinder und auch die wilden Tiere im Feld,
die Vögel in der Luft, die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name überall auf der Welt!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)