Psalm 9

Lebens Liturgien

Folge 72

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 9 (NGÜ)

Singt dem Herrn, der auf dem Berg Zion wohnt, eure Lieder,
verkündet unter allen Völkern seine großen Taten!
Denn er zieht all die zur Rechenschaft, die Blut vergießen,
er kümmert sich um die Verfolgten
und überhört nicht die Schreie der Unterdrückten.

Sei mir gnädig, Herr, sieh auch meine Not,
in die mich der Hass meiner Feinde bringt,
hol mich herauf aus dem Totenreich!

Die Völker sind in die Gruben gestürzt,
die sie für andere gegraben hatten,
sie sind mit ihren Füßen im eigenen Fangnetz hängen geblieben.
Der Herr hat sich zu erkennen gegeben, indem er Gericht übte:
Wer Gott ablehnt, der verstrickt sich in seinen eigenen Machenschaften.

Der Unterdrückte aber ist nicht für immer vergessen,
und die vom Leid gebeugt sind, müssen ihre Hoffnung nicht aufgeben.

Erhebe dich, Herr, lass nicht zu, dass Menschen sich dir widersetzen!
Herr, lass alle Völker begreifen, dass sie nur Menschen sind!

Und wieder einmal geht es um Gerechtigkeit. Darum, wie die menschliche Wirklichkeit hier auf Erden ist, wie sie aus Gottes Sicht sein sollte und wie sie dereinst tatsächlich einmal sein wird.

Man könnte sagen: Der Beter dieses Psalms meditiert die wahre göttliche Ordnung der Dinge. Er durchdringt betend den dichten Nebel dessen, was er auf Erden wahrnimmt. Teilweise kommt ihm dabei seine Erfahrung zugute:

Die Völker sind in die Gruben gestürzt,
die sie für andere gegraben hatten,
sie sind mit ihren Füßen im eigenen Fangnetz hängen geblieben.
Der Herr hat sich zu erkennen gegeben, indem er Gericht übte:
Wer Gott ablehnt, der verstrickt sich in seinen eigenen Machenschaften.

Wie schon in Psalm 7 hat der Psalmbeter im Laufe seines Lebens die Erfahrung gemacht: das Böse trägt seine Strafe oft schon in sich selbst – einfach weil es gegen die gute, gottgeschaffene Ordnung der Dinge ist. Wer gegen Gottes gute Prinzipien und Ideen anlebt, schneidet sich selbst von dem ab, wie gutes Leben funktioniert.

Und doch – so heißt es in Psalm 2 – toben die Völker und schmieden aufrührerische Pläne. Und doch unterdrücken die Starken die Schwachen, wohin das Auge auch schaut. Gottes gute Ordnung kann anhand unserer Wirklichkeit an manchen Stellen zwar erahnt werden, allzu oft aber herrschen Ausbeutung, Unrecht und Unterdrückung. Gebärden sich Menschen wie Götter. Aus diesem Grund endet Psalm 9 mit dem eindringlichen Ruf:

Erhebe dich, Herr, lass nicht zu, dass Menschen sich dir widersetzen!
Herr, lass alle Völker begreifen, dass sie nur Menschen sind!

Wie nehme ich die Welt um mich herum wahr? Welche Werte und Gesetze herrschen in meiner Familie, an meinem Arbeitsplatz, in unserem Land? Wo entdecke ich Gottes gute Ordnungen und wo nicht? In der Stille bitte ich Gott um Stärkung und Bewahrung seiner guten Ordnungen.

Freiraum

Menschen zerbrechen an Ungerechtigkeit da, wo sie das Gefühl haben: Niemand sieht mich und niemand steht zu mir. Meine Schreie verhallen ungehört. Mein Feind kann mit mir tun und lassen, was er will, er hat keinerlei Konsequenzen zu befürchten.

Demgegenüber bekennt der Psalmbeter mit all seiner Kraft von Gott:

Er zieht all die zur Rechenschaft, die Blut vergießen,
er kümmert sich um die Verfolgten
und überhört nicht die Schreie der Unterdrückten.

Der Unterdrückte ist nicht für immer vergessen,
und die vom Leid gebeugt sind, müssen ihre Hoffnung nicht aufgeben.

In der Stille trete ich vor Gott für Opfer von Sklaverei und Menschenhandel ein. Für Menschen, die an dem Unrecht, das sie erleiden, zu zerbrechen drohen – oder sogar schon zerbrochen sind. Erhebe dich, Herr! Verschaffe ihnen Recht! Setze deine guten göttlichen Ordnung hier auf Erden durch!

Freiraum

Singt dem Herrn, der auf dem Berg Zion wohnt, eure Lieder,
verkündet unter allen Völkern seine großen Taten!
Denn er zieht all die zur Rechenschaft, die Blut vergießen,
er kümmert sich um die Verfolgten
und überhört nicht die Schreie der Unterdrückten.

Sei mir gnädig, Herr, sieh auch meine Not,
in die mich der Hass meiner Feinde bringt,
hol mich herauf aus dem Totenreich!

Die Völker sind in die Gruben gestürzt,
die sie für andere gegraben hatten,
sie sind mit ihren Füßen im eigenen Fangnetz hängen geblieben.
Der Herr hat sich zu erkennen gegeben, indem er Gericht übte:
Wer Gott ablehnt, der verstrickt sich in seinen eigenen Machenschaften.

Der Unterdrückte aber ist nicht für immer vergessen,
und die vom Leid gebeugt sind, müssen ihre Hoffnung nicht aufgeben.

Erhebe dich, Herr, lass nicht zu, dass Menschen sich dir widersetzen!
Herr, lass alle Völker begreifen, dass sie nur Menschen sind!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)