Psalm 12 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 78

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Aus Psalm 12

Hilf doch, Herr!
Denn es gibt keinen mehr, der zu dir hält,
und alle treuen Menschen sind verschwunden.

Jeder belügt jeden.
Mit ihren Worten schmeicheln sie,
aber im Herzen spielen sie ein falsches Spiel.

Soll der Herr doch alle diese Heuchler hinwegfegen,
diese Leute, die großspurig daherreden und sagen:
»Mit der Macht unserer Worte setzen wir uns durch;
niemand kommt gegen uns an,
mit unseren Reden können wir alles erreichen!«

Alle Worte des Herrn dagegen sind rein,
sie sind wie Silber, das im Schmelzofen geläutert
und siebenmal gereinigt wurde.

Du, Herr, wirst die Schwachen schützen,
du wirst sie für immer bewahren vor diesen Leuten,
die sich gegen dich auflehnen und sich überall breitmachen.

Ja, die Bosheit unter den Menschen nimmt zu!

In der letzten Folge ging es ganz schön zur Sache: es ging um Wirklichkeit und Manipulation, um Lüge und Wahrheit und darum, dass es bisweilen gar nicht so einfach ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Das zehrt und wühlt auf. David, der Psalmbeter, flieht deshalb zu dem, was für ihn unumstößlich feststeht, wo er Klarheit und Wahrheit findet, worauf er sich ohne jeden Zweifel verlassen kann:

Alle Worte des Herrn dagegen sind rein,
sie sind wie Silber, das im Schmelzofen geläutert
und siebenmal gereinigt wurde.

Wie wohl tun diese Worte angesichts all der Lügen und angesichts der Ungewissheit, wie genau sich die Welt um uns herum denn nun wirklich verhält. Wobei … auch hier gäbe es viele gute Gründe, nun zu problematisieren: Was genau sind denn nun Worte des Herrn? Ist jedes Wort, das in der Bibel steht, direkt und ungefiltert Gottes Wort? Sind alle Worte dort gleichberechtigt? Wird im Bereich des Glaubens nicht auch viel manipuliert und verdreht – teilweise absichtlich, teilweise unbewusst und mit guten Absichten?

In der Stille klage ich Gott meine Ungewissheiten und meine Fragen mit Blick auf die Bibel und das, was ich glauben kann und soll.

Freiraum

Es gibt also viele gute Gründe, um auch im Bereich des Glaubens zu problematisieren, zu hinterfragen und wachsam zu sein. Zugleich gilt: all die Ungewissheit und all die Fragen erschöpfen und zehren an uns. Wir können nicht auf Dauer alles immer nur unter Manipulationsverdacht stellen. Wir brauchen wenigstens ein paar feste Gewissheiten, an denen wir uns festhalten und auf die wir unser Leben und unseren Glauben gründen.

Alle Worte des Herrn dagegen sind rein,
sie sind wie Silber, das im Schmelzofen geläutert
und siebenmal gereinigt wurde.

Auf welche Worte des Herrn verlasse ich mich? Woran bin ich nicht bereit zu zweifeln? Welche Gewissheiten im Blick auf Gott haben die Kraft mich im Leben wie im Sterben zu tragen?

Freiraum

Hilf doch, Herr!
Denn es gibt keinen mehr, der zu dir hält,
und alle treuen Menschen sind verschwunden.

Jeder belügt jeden.
Mit ihren Worten schmeicheln sie,
aber im Herzen spielen sie ein falsches Spiel.

Soll der Herr doch alle diese Heuchler hinwegfegen,
diese Leute, die großspurig daherreden und sagen:
»Mit der Macht unserer Worte setzen wir uns durch;
niemand kommt gegen uns an,
mit unseren Reden können wir alles erreichen!«

Alle Worte des Herrn dagegen sind rein,
sie sind wie Silber, das im Schmelzofen geläutert
und siebenmal gereinigt wurde.

Du, Herr, wirst die Schwachen schützen,
du wirst sie für immer bewahren vor diesen Leuten,
die sich gegen dich auflehnen und sich überall breitmachen.

Ja, die Bosheit unter den Menschen nimmt zu!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)