Psalm 13

Lebens Liturgien

Folge 79

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 13 (LUT)

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott!
Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden,
und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist;
mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut!

Und schon wieder ein Notruf. Wieder ein Psalm, entstanden in einer Situation, die – wie man so sagt – beten lehrt. Alle, die in einer tiefen Notlage stecken, beschenkt dieser Psalm mit Worten, mit der sie das eigene Erleben, vielleicht auch ihre Sprachlosigkeit vor Gott bringen können. Was aber machen wir mit diesem Psalm, wenn uns gerade nicht nach klagen ist?

Wenn man sich – so wie wir – von Psalm 1 an kontinuierlich durch die Psalmen betet, fällt auf, wie sehr sich die Klagepsalmen am Anfang häufen: eine Klage folgt auf die nächste. Man könnte fast ein wenig depressiv werden. Was aber, wenn es uns gut geht und wir zufrieden sind mit unserem Leben: sollten wir dann nicht besser einfach die vielen Klagegebete am Anfang überspringen und uns einen Psalm suchen, der sich gemeinsam mit uns freut und mit dessen Hilfe wir Gott loben und danken können?

In der Stille höre ich möglichst genau in mich hinein: wie geht es mir gerade (also so wirklich)? Ich bringe das, was in mir ist, mit eigenen Worten vor Gott – sei es klagend oder bittend oder auch voller Dankbarkeit und Jubel.

Freiraum

Vielleicht ist es hilfreich, wenn wir uns an dieser Stelle klarmachen, dass unser Beten nichts rein Privates, nichts rein Individuelles ist. Wir stehen, wenn wir beten, ja nie ganz alleine vor Gott. Zum einen ist da Christus selbst, der – wie es im Hebräerbrief heißt – als Hohepriester mit uns vor Gott tritt und der mit uns und für uns betet: wir und Christus, Seite an Seite.

Zum anderen sind wir mit vielen, vielen anderen Christinnen und Christen verbunden. Durch Gottes Heiligen Geist und unsere Taufe sind wir Teil der einen großen, weltumspannenden Kirche Jesu Christi. Wir klagen also, wenn wir ein Klagegebet sprechen, immer auch für die Menschen mit, die gerade schwer an ihrem Leben tragen. Und wir jubeln, wenn wir einen Lob- und Dankpsalm beten, immer auch mit den Menschen mit, deren Herz überfließt vor Freude.

In der Stille gehe ich in Gedanken meine Familie durch, dann meinen Freundes- und meinen Bekanntenkreis: wer von ihnen trägt gerade schwer am Leben? Im Anschluss an die Stille bete ich Psalm 13 bewusst für diese Menschen und gemeinsam mit ihnen.

Freiraum

HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?
Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?

Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott!
Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe,
dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden,
und meine Widersacher sich freuen, dass ich wanke.

Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist;
mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.
Ich will dem HERRN singen, dass er so wohl an mir tut!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)