Psalm 14 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 80

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 14

Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!«
Sie richten Unheil an, ihr ganzes Verhalten ist abscheulich.
Keiner handelt so, wie es gut wäre.

Der Herr schaut vom Himmel herab auf die Menschen.
Er möchte sehen, ob es einen unter ihnen gibt,
der verständig ist, einen, der nach Gott fragt.

Doch alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

Haben denn alle, die Unrecht tun, keine Einsicht mehr?
Sie fressen mein Volk auf, so als wäre es ein Stück Brot,
und zum Herrn rufen sie überhaupt nicht.

Doch der Tag wird kommen, an dem sie von Schrecken gepackt werden,
denn Gott ist mit denen, die nach seinem Willen leben.

Die Hoffnung der Armen wollt ihr zerstören?!
Der Herr gibt ihnen sicheren Schutz.

Käme doch endlich vom Berg Zion die Rettung für ganz Israel!
Wenn der Herr das Geschick seines Volkes zum Guten wendet,
dann wird ganz Israel in Jubel ausbrechen,
überall im Land wird Freude herrschen.

Der Psalm scheint in zwei Hälften zu zerfallen. Der erste Teil gipfelt in der Erkenntnis: „Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.“ Im zweiten Teil wirkt es dann so, als gäbe es nun doch Menschen, die nach Gottes Willen leben: Unterdrückte allerdings, Arme – darunter natürlich auch der Psalmbeter selber.
Wir hören in dieser Folge noch einmal aufmerksam auf den ersten Teil dieses Psalms. Er beginnt so:

Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!«
Sie richten Unheil an, ihr ganzes Verhalten ist abscheulich.
Keiner handelt so, wie es gut wäre.

„Der Narr spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott!“
Worum es hier nicht geht, ist Atheismus – so etwas wie Atheismus gab es zur Zeit des Alten Israel nicht. Stattdessen geht es um eine atheistische Lebensweise. Also um eine Weise, das eigene Leben so zu leben, als ob es Gott nicht gäbe. Sprich: ein Leben nach eigenen, selbstgewählten Maßstäben. Ein Leben im Vertrauen auf die eigene Kraft. Ein Leben, das in die Annehmlichkeiten und in die Aufstiegschancen dieser Welt ganz vernarrt ist. Ein voll und ganz diesseitiges Leben also. In einen solch atheistischen Lebensstil hineinzurutschen, ist ziemlich leicht.

Wo in meinem Leben lebe ich, als ob es Gott nicht gäbe: nach eigenen selbstgewählten Maßstäben. Im Vertrauen auf meine eigene Kraft. Vernarrt in die Annehmlichkeiten und Aufstiegschancen dieser Welt? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.

Freiraum

Im Anschluss an seinen Auftakt nimmt der Psalmbeter die Perspektive Gottes ein:

Der Herr schaut vom Himmel herab auf die Menschen.
Er möchte sehen, ob es einen unter ihnen gibt,
der verständig ist, einen, der nach Gott fragt.
Doch alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

Ich persönlich tue mir schwer mit pauschalen Verurteilungen. Dafür sind die Menschen, die mir begegnen, viel zu unterschiedlich. Dazu beeindrucken mich manche Menschen viel zu sehr. Dafür weiß ich viel zu wenig über mögliche frühe seelische Verletzungen bei Menschen, die ich als anstrengend oder böswillig erlebe.

Und doch begegnet mir hier die pauschale göttliche Feststellung: „Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.“ Im Römerbrief im Neuen Testament wiederholt Paulus diese Feststellung an zentraler Stelle. Allerdings fällt es mir dort leichter, diese Worte zu hören. Denn Paulus schreibt sie als einer, der erleuchtet und hellauf begeistert ist von der Person und dem Leben Jesu. Paulus hat erkannt: so wie Jesus gelebt hat, war menschliches Leben eigentlich einmal gedacht. Durch und durch heilig, klar, liebevoll, mit Gott verbunden. Kompromisslos gut. Wenn wirklich Jesus der Maßstab für gutes Leben ist, gilt:

Alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

Ich betrachte einen bestimmten Teil meines Lebens oder eine wichtige Beziehung in meinem Leben und frage: Wie sähe mein Leben hier aus, wenn wirklich die ganze Kraft des Guten, das durch und durch gute Herz Jesu in mir leben würde? Im Anschluss bete ich, dass Gott mir etwas von dieser „Gutheit“ Jesu ins Herz schenkt.

Freiraum

Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!«
Sie richten Unheil an, ihr ganzes Verhalten ist abscheulich.
Keiner handelt so, wie es gut wäre.

Der Herr schaut vom Himmel herab auf die Menschen.
Er möchte sehen, ob es einen unter ihnen gibt,
der verständig ist, einen, der nach Gott fragt.

Doch alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)