Psalm 14 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 81

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 14

Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!«
Sie richten Unheil an, ihr ganzes Verhalten ist abscheulich.
Keiner handelt so, wie es gut wäre.

Der Herr schaut vom Himmel herab auf die Menschen.
Er möchte sehen, ob es einen unter ihnen gibt,
der verständig ist, einen, der nach Gott fragt.

Doch alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

Haben denn alle, die Unrecht tun, keine Einsicht mehr?
Sie fressen mein Volk auf, so als wäre es ein Stück Brot,
und zum Herrn rufen sie überhaupt nicht.

Doch der Tag wird kommen, an dem sie von Schrecken gepackt werden,
denn Gott ist mit denen, die nach seinem Willen leben.

Die Hoffnung der Armen wollt ihr zerstören?!
Der Herr gibt ihnen sicheren Schutz.

Käme doch endlich vom Berg Zion die Rettung für ganz Israel!
Wenn der Herr das Geschick seines Volkes zum Guten wendet,
dann wird ganz Israel in Jubel ausbrechen,
überall im Land wird Freude herrschen.

In Teil eins dieses Psalms geht es darum, wie wenig gut wir Menschen sind: „Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.“ In Teil zwei scheint diese Erkenntnis aufzuweichen. Hier erscheint das unterdrückte Volk Israel als unschuldig. Hier scheint es nun doch Menschen zu geben, die nach Gottes Willen leben. Hier gibt es Arme, denen der sichere Schutz Gottes zugesagt wird.

Wie passt das zusammen?

Vielleicht so: der Psalmbeter unterscheidet hier zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Zwischen Reichen und Armen. Zwischen Mächtigen und Machtlosen. Und er erkennt: besonders ungut, besonders zwielichtig und abgründig wird das Verhalten von Menschen oft, wenn sie Geld und Macht bekommen. Je mächtiger und reicher Menschen sind, desto einfacher und tiefer rutschen sie ab in einen atheistischen Lebensstil. In einen Lebensstil, als ob es Gott nicht gäbe. In einen Lebensstil, in dem sie andere Menschen ausbeuten, sie „fressen wie Brot“.

Die so Unterdrückten erschrecken über diese abgrundtiefe Bosheit und sind deshalb möglicherweise Gott näher. Oder zumindest gilt: Gott ist den Unterdrückten und Armen wesentlich näher als den Unterdrückern.

In der Stille trete ich für arme und unterdrückte Menschen in einem Land ein, das mir am Herzen liegt. Ich bete für sie um Gottes Beistand und dass Gott sich den Unterdrückern in den Weg stellt.

Freiraum

Zum Schluss endet der Psalmbeter mit einem Stoßseufzer:

Käme doch endlich vom Berg Zion die Rettung für ganz Israel!
Wenn der Herr das Geschick seines Volkes zum Guten wendet,
dann wird ganz Israel in Jubel ausbrechen,
überall im Land wird Freude herrschen.

Als Christen glauben wir, dass dieser sehnliche Wunsch in Jesus erfüllt wurde. Dass in Jesus vom Berg Zion die Rettung kam: sein Leben, sein Tod, seine Auferstehung, die in uns und in dieser Welt etwas neu werden lassen. Noch nicht so, dass wirklich die ganze Welt in Jubel ausbricht und überall Freude herrscht – die Vollendung sehnen auch wir noch herbei. Aber doch so, dass der entscheidende Anfang gemacht ist.

Wo ist in meinem Leben durch Jesus schon etwas neu geworden?
Und wo sehne und seufze ich von Gott her die noch ausstehende große Vollendung herbei?

Freiraum

Der Narr spricht in seinem Herzen: »Es gibt keinen Gott!«
Sie richten Unheil an, ihr ganzes Verhalten ist abscheulich.
Keiner handelt so, wie es gut wäre.

Der Herr schaut vom Himmel herab auf die Menschen.
Er möchte sehen, ob es einen unter ihnen gibt,
der verständig ist, einen, der nach Gott fragt.

Doch alle sind vom richtigen Weg abgewichen,
sie sind durch und durch verdorben.
Keiner handelt so, wie es gut wäre, nicht ein Einziger.

Haben denn alle, die Unrecht tun, keine Einsicht mehr?
Sie fressen mein Volk auf, so als wäre es ein Stück Brot,
und zum Herrn rufen sie überhaupt nicht.

Doch der Tag wird kommen, an dem sie von Schrecken gepackt werden,
denn Gott ist mit denen, die nach seinem Willen leben.

Die Hoffnung der Armen wollt ihr zerstören?!
Der Herr gibt ihnen sicheren Schutz.

Käme doch endlich vom Berg Zion die Rettung für ganz Israel!
Wenn der Herr das Geschick seines Volkes zum Guten wendet,
dann wird ganz Israel in Jubel ausbrechen,
überall im Land wird Freude herrschen.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)