Psalm 15 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 82

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 15

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

Dieser Psalm entstammt vermutlich einem Ritual am Tempel in Jerusalem. Die aus dem ganzen Land nach Jerusalem gepilgerte Gemeinde steht vor dem Tor zum Tempel und fragt nach den Eintrittsbedingungen.

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Von innen geben die Tempelpriester Antwort und beschreiben exemplarisch ein heiliges, gutes Leben:

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.

Freiraum

Das also sind die Bedingungen für meinen Eintritt in die Gegenwart Gottes. In der Stille sage ich Gott, welche Reaktion diese Bedingungen in mir auslösen.

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Wieso gibt es überhaupt Eintrittsbedingungen zur Gegenwart Gottes? Zeichnet sich Gott nicht gerade dadurch aus, dass er gnädig, barmherzig und von großer Güte ist? Ist das mit den Zutrittsbedingungen nicht spätestens seit Jesus erledigt?

Ja. Einerseits. Nächste Folge wird uns genau das näher beschäftigen.
Andererseits: Gott ist und bleibt heilig, gut und gerecht – und zwar ganz und gar. Durch und durch. Mit einer Kraft von tausend Sonnen. Wir können mit unserem allzu oft unheiligen, ungerechten Leben nicht einfach so – mir nichts dir nichts – in seine Gegenwart treten. Jesaja erlebt das überwältigend, als er in einer Vision Gott selbst sieht: „Weh mir, ich vergehe! Ich bin ein Mensch mit unreinen Lippen, mit einem unreinen Leben!“ (Jesaja 6,5), ruft er aus.

Gab es in meinem Leben schon einmal einen solchen Moment: dass ich meine eigene Unreinheit und Unwürdigkeit ganz tief gespürt habe? Dass ich mich nicht getraut habe, vor Gott zu erscheinen? Was ist dann geschehen?

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)