Psalm 15 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 84

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Psalm 15

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

In den letzten beiden Folgen lag der Fokus stark auf der Heiligkeit Gottes und unserer eigenen Unheiligkeit, unserer eigenen Unreinheit. Was aber sollen dann all die exemplarischen Beschreibungen, wie ein gutes und gerechtes Leben aussieht, wenn wir sie doch nie ganz erfüllen können? Wenn wir – trotz aller Bemühungen – nicht so viel heiliges Leben zustande bringen, dass wir damit selbstbewusst vor Gott auftauchen können? Wollen uns all diese Beschreibungen einfach nur demütig halten?

Auf jeden Fall: Demut ist gut. Sie wollen aber noch etwas anderes: sie wollen Sehnsucht nach einem heiligen Leben wecken und unsere Aufmerksamkeit auf konkrete Lebensbereiche lenken, in denen wir diese Sehnsucht in heiliges – oder zumindest heiligeres – Leben verwandeln können.

In welchen Bereichen meines Lebens verspüre ich eine besondere Sehnsucht nach einem heiligeren Leben? Ich erbitte von Gott den Willen und die Kraft hierfür.

Freiraum

Ein Bereich, den der Psalm anspricht, ist der der Wahrhaftigkeit:

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Wahrhaftigkeit ist eine Grundvoraussetzung für heiliges, gutes Leben und dafür, dass wir Gott begegnen können. Denn nur wenn wir aufrichtig, wenn wir ehrlich sind, sind wir auch wirklich wir selbst. In dem Moment, wo wir uns verstellen und eine Fassade aus Halbwahrheiten errichten, erschaffen wir eine Art Pseudo-Ich. Dann erschaffen wir eine Person, die wir nicht sind, die es im Grunde überhaupt nicht gibt. Alle Beziehungen, die wir als diese Pseudo-Person zu anderen Menschen aufbauen, bleiben dann unecht, unwahrhaftig. Und Gott begegnen wir nie, denn wir selbst halten uns ja beständig hinter unserem Pseudo-Ich versteckt.

In der Stille mache ich mich vor Gott ehrlich. Lasse meine Masken fallen. Halte ihm mein Herz und meine Gedanken so hin, wie sie gerade sind.

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)