Psalm 15 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 85

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Noch ein letztes Mal beschäftigen uns heute die Worte aus Psalm 15:

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

In der letzten Folge haben wir uns den hohen Wert der Wahrhaftigkeit für ein heiliges und gutes Leben angeschaut. Ein anderer Bereich, den der Psalm anspricht, ist unser Umgang mit Geld und Besitz.

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.

Im damaligen Kontext sind diese beiden Anweisungen hoch bedeutsam, denn weder gab es ein landesweites Banken- noch ein landesweites Justizsystem. Alles wurde im Nahbereich gelöst. Es war also entscheidend wichtig, Notlagen von armen Nachbarn nicht durch hohe Zinssätze auszunutzen oder sich in gerichtlichen Streitigkeiten aufgrund von Geschenken auf die Seite der reichen und mächtigen Nachbarn zu schlagen.

Für uns stellt sich hier die Frage, wie wir mit unserem Besitz umgehen. Jesus und Paulus würden sagen: Das, was wir haben, gehört uns eigentlich gar nicht. Paulus fragt an einer Stelle mal: „Was hast du, was du nicht zuvor empfangen hast?“ (1. Kor 4,7) Zumindest die Voraussetzungen für unseren Besitz haben wir uns nicht verdient: unsere Arbeitskraft, unsere Gesundheit, unsere Willenskraft und unsere Intelligenz: alles Geschenk. Dazu das Geborenwerden in einem vergleichsweise reichen und sicheren Land mit vielen Möglichkeiten und Chancen: reine Gnade.

In der Stille danke ich Gott für alles, was ich habe und bin und mache mir bewusst: es ist alles Geschenk.

Freiraum

Wenn alles, was wir sind und haben, Geschenk ist, ist Großzügigkeit die einzig angemessene Reaktion. In seiner Bergpredigt fordert Jesus uns dementsprechend auf: „Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, gib ihm auch noch den Mantel. Wenn dich jemand zwingt, eine Meile mitzugehen, geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir etwas borgen will.“ (Matthäus 5, 40-42)

Wir sollen also großzügig geben und leihen, ohne uns davon Vorteile zu erwarten.

In der Stille lasse ich mir von Gott zeigen, wer meine Großzügigkeit gerade besonders braucht.

Freiraum

HERR, wer darf als Gast in dein Heiligtum kommen?
Wer darf auf dem Berg deiner heiligen Gegenwart wohnen?

Der, der sein Leben in Aufrichtigkeit führt,
der gerecht handelt und von Herzen die Wahrheit sagt.

Der, der niemanden verleumdet,
der einem anderen kein Unrecht zufügt
und nicht schlecht von ihm spricht.

Der, der die ablehnt, die Verwerfliches tun,
und die ehrt, die den HERRN fürchten.

Der sein Geld nicht verleiht, um damit Zinsen zu verdienen,
und sich nicht mit Geschenken bestechen lässt, Unschuldige anzuklagen.
Wer so handelt, steht für immer auf sicherem Grund.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)