Psalm 16 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 87

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

Was passiert eigentlich, wenn wir Gott nicht lieben, wenn wir unser Herz nicht an Gott hängen, unser Glück irgendwo anders suchen?

Nun: dann hängt sich unser Herz eben an irgendetwas oder irgendjemand anderen. Dann lieben wir stattdessen den Konsum, oder das Abenteuer, oder den beruflichen Aufstieg. Dann klammern wir uns mit aller Kraft an die Welt oder einzelne Menschen und erwarten unser Glück von dort.
Nur: leider vergeblich. Es sättigt nicht recht, dieses Glück. Bleibt allzu flüchtig. Fordert einen hohen Preis.

Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.

In der Stille schaue ich achtsam und wach auf mein Leben: an wem oder was hängt mein Herz? Wovon erwarte ich mir Glück?

Freiraum

Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!

Hier kommt zweierlei in den Blick. Zum einen Gott als Geber aller guten Gaben. Er teilt uns zu, was wir brauchen: Gesundheit, Kinder, gutes Essen, guter Schlaf, ausreichend Geld zum Leben, eine gute Netflix-Serie zum Abschalten … all das trägt zu unserer Zufriedenheit bei, schenkt uns frohe, glückliche Momente. Gott selbst schenkt sie uns, lässt sie uns genießen.

In dem Moment jedoch, wo wir beginnen, all das anzubeten, unser Leben ganz um diese Gaben herum aufzubauen, verflüchtigt sich das Glück und wird schal. Hinzu kommt, dass all die guten Gaben jederzeit wegbrechen und ausbleiben können.

Wir brauchen Gott also nicht nur als den Geber guter Gaben. Wir brauchen Gott als Gott selbst. Als Gott, den wir lieben, an dem wir uns freuen, von dem wir uns faszinieren und lieben lassen, mit dem wir ringen und dem wir uns anvertrauen. Wir brauchen die Herzensverbindung zu dem, der uns geschaffen hat, der uns durch und durch liebt und der uns als einziges bleiben wird.

Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst.

In der Stille versuche ich, meinen inneren Blick einmal nicht auf Gottes Gaben zu richten, sondern auf Gott selbst. Versuche, ihn zu lieben, mich an ihm zu freuen, mich von ihm faszinieren und lieben zu lassen.

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)