Psalm 16 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 88

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

„Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.“ Schon seit jeher rühren diese Worte an eine tiefe Sehnsucht: an die Sehnsucht, sich Tag und Nacht mit Gott verbunden zu wissen. Allezeit zu beten. Die Verbindung mit Gott nicht abreißen zu lassen.

Von den Christen der ersten Jahrhunderte wird berichtet, dass viele von ihnen nachts zum Gebet aufstanden, weil ihnen eine ganze Nacht ohne Aufblick zu Gott zu lang war. In Klöstern läutet die Gebetsglocke von morgens bis abends mehrmals (zum Teil sogar nachts), um zum Gebet zu rufen. Und Frank Laubach, ein Mystiker aus dem letzten Jahrhundert, entschloss sich zu dem Versuch, in jeder wachen Minute mindestens eine Sekunde an Gott zu denken.

In der Stille spüre ich meiner Sehnsucht nach, mich Tag und Nacht mit Gott verbunden zu wissen. An welchen Punkten des Tages und auf welche Weise verbinde ich mich bewusst mit Gott?

Freiraum

Bruder Lorenz, ein Mönch aus dem 17. Jahrhundert, übte sich ein Leben lang in dem Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Besonders seine Arbeit war für ihn eine große Herausforderung: 15 Jahre lang war er als Koch für das Essen von bis zu 100 Personen verantwortlich – eine Arbeit, gegen die er von Anfang an eigentlich einen Widerwillen hatte. Bruder Lorenz übte sich darin, selbst in dieser stressigen und eigentlich ungeliebten Aufgabe die Verbindung zu Gott nicht abreißen zu lassen.

Vor der Arbeit betete er folgendermaßen: „Mein Gott, da du bei mir bist und ich meinen Geist auf deine Anordnung hin äußeren Dingen zuwenden muss, bitte ich dich um die Gnade, während dieser Aufgabe bei dir bleiben zu können und dir Gesellschaft zu leisten, damit alles zum Besten verläuft. Mein Herr: arbeite mit mir zusammen, nimm meine Arbeit an und akzeptiere all meine Zuneigung.“ Und dann arbeitete er und unterhielt sich während der Arbeit weiterhin beständig und vertrauensvoll mit Gott.

Über seine Sehnsucht nach direkter Gottesbegegnung und Gottesberührung sagte er: „Gott selbst hat sich auf den Grund unserer Seele gemalt. Wir aber wollen ihn dort nicht sehen. Wir verlassen ihn für Oberflächlichkeiten und zieren uns, uns mit unserem König zu unterhalten, der ständig in uns gegenwärtig ist.“

In der Stille wiederhole ich für mich die Worte aus Psalm 16: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.“ Zeigt Gott mir eine Weise, wie und wo ich mich öfter mit ihm unterhalten und verbinden kann?

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)