Psalm 16 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 89

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

Der Schluss dieses Psalms schillert. Man kann ihn diesseitig verstehen. Vielleicht war der Psalmbeter ernsthaft erkrankt, hatte zwischenzeitlich mit dem Tod zu kämpfen. Dann aber, in einem Moment der Gottesbegegnung und tiefer Liebe zu Gott, wächst in ihm das Vertrauen:

Auch mein Körper wird sicher ruhen. Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht! Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.

Er hofft also auf Heilung. Er ahnt in seinem Inneren: das wird gut ausgehen! Gott wird mich ins Leben zurückkehren lassen.

Gibt es in meinem Leben oder im Leben von Menschen, die mir nahestehen, bedrohliche Krankheit? Ich bete zu Gott um Heilung und um seine Nähe. Denn wo er ist, hört die Freude nie auf. Aus seiner Hand kommt ewiges Glück.

Freiraum

Man kann die Schlussworte dieses Psalms also diesseitig verstehen. Und doch schwingt so viel mehr mit. Es sind Worte, die weit über unser irdisches Leben hinausweisen, sie sind zu groß für unser begrenztes, zerbrechliches Hier und Jetzt. Ich höre in ihnen Worte aus dem Neuen Testament wie diese:

„Was in die Erde gelegt wird, ist vergänglich, was auferweckt wird, unvergänglich. Was in die Erde gelegt wird, ist hinfällig, was auferweckt wird, voll bleibender Kraft. Wo also ist dein Sieg, Tod? Wo ist dein Stachel?« Lob und Dank sei Gott, der uns durch Jesus Christus, unseren Herrn, den Sieg gibt über die Sünde und über den Tod!“ (aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15)

Oder diese Worte hier:

„Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Teufel, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges – nichts, aber auch gar nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (aus Kapitel 8 des Römerbriefes)

In der Stille meditiere ich die nie endende Liebe Gottes zu mir. Stelle mir vor, wie Gott nie aufhört, mich zu lieben. Wie er seine Liebe durchhält, auch über meinen Tod hinaus. Und wie seine Liebe mich schließlich noch einmal neu schafft: mich auferweckt aus dem Tod und mich in seiner ewigen Liebe wohnen lässt.

Freiraum

Bewahre mich, Gott, denn bei dir finde ich Zuflucht!
Ich habe zu dem HERRN gesagt: »Du bist mein Herr! Mein Glück finde ich nur bei dir!«
Ich freue mich an den Heiligen im Land, denn in ihnen zeigt sich Gottes Herrlichkeit.
Die aber anderen Göttern hinterherlaufen, werden viel Herzeleid haben.
Mein Besitz und mein Erbe ist der HERR selbst. Ja, du teilst mir zu, was ich brauche!
Ein herrliches Land hast du mir zugeteilt, einen wunderschönen Besitz!
Ich preise den HERRN, weil er mich beraten hat! Selbst in der Nacht drängt mich mein Inneres.
Ich habe den Herrn allezeit vor Augen. Weil er mir beisteht, stehe ich fest.
Darum freut sich mein Herz und mein Innerstes jubelt: auch mein Körper wird sicher ruhen.
Denn du, Herr, wirst mein Leben nicht der Totenwelt preisgeben: du wirst nicht zulassen, dass dein Gottesfürchtiger die Verwesung sieht!
Nein: Du zeigst mir den Weg zum Leben: wo du bist, hört die Freude nie auf. Aus deiner Hand kommt ewiges Glück.“

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)