Psalm 17 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 92

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Die folgenden Worte sind das vielleicht schönste Gebet um Schutz, das es gibt:

Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.

Da spricht ein großes Vertrauen in Gott aus diesen Worten … aber auch ein großes Selbstvertrauen. Da bittet einer Gott, ihn wie den göttlichen Augapfel zu behandeln und zu bewahren. Aus diesen Worten spricht die große Gewissheit: „Ich bin Gott wichtig! Ich bin kostbar für Gott. An meinem Wohlergehen hat Gott massives Interesse.“

Angelus Silesius, Mystiker aus dem 17. Jahrhundert, hat diese Überzeugung in folgende Worte gepackt: „Ich weiß, dass ohne mich Gott nicht einen Augenblick kann leben: Werd ich zunicht, er muss von Not den Geist aufgeben.“ Karl Barth, der große Theologe, hat diese Worte mal eine „fromme Unverschämtheit“ genannt.

Wie schätze ich meine eigene Wichtigkeit für Gott ein? Für wie kostbar halte ich mich vor Gott?

Freiraum

Ich gebe zu, dass mich bei den Worten von Angelus Silesius ein gewisses Unbehagen befällt. Wir leben in hochindividualisierten Zeiten, lernen von klein auf, dass die Welt sich um uns dreht … oder sich zumindest um uns drehen sollte. Wir konsumieren täglich alle möglichen perfekt auf uns zugeschnittenen Angebote – und manchmal konsumieren wir sogar andere Menschen. Ist da die Gefahr nicht groß, dass wir auch Gott nur konsumieren? Dass wir zuerst und vor allem uns, unser Leben und unsere Bedürfnisse sehen und wollen, dass Gott sich ganz um uns dreht?

Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.

Und doch steckt in diesen Worten eine tiefe Wahrheit: wir sind Gott unendlich wichtig. Wir sind unvorstellbar kostbar für Gott. Gott will und kann nicht ohne jeden und jede Einzelne von uns leben. Seine Liebe lässt ihn immer neu Anlauf nehmen, unser Herz zu gewinnen. Wir sind Gott so kostbar wie sein eigener Augapfel.

In der Stille prüfe ich, welche Worte ich aktuell stärker hören muss: dass ich Gott nicht konsumieren darf, dass Gott nicht mein Diener ist? Oder dass ich Gott so kostbar und wichtig wie sein Augapfel bin, dass mein Wohlergehen Gott ein Herzensanliegen ist?

Freiraum

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)