Psalm 17 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 93

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Ich mag diesen Schluss:

Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Was für ein großartiges Wort: „satt sehen“. Es gibt Weniges, woran wir uns kaum genug satt sehen können. Das Meer vielleicht. Oder ein Bergpanorama. Ein geliebter Mensch, der oder die sich schön gemacht hat. Selbstvergessen spielende Kinder. Oder ein junger Hund, der übermütig herumtollt und einem Ball hinterherjagt. Es sind heile Momente voller Schönheit und Kraft, voller Anmut und Liebe. Momente, an denen wir uns kaum satt sehen können … und die doch meist flüchtig sind und schnell vorbei gehen.

Wann gab es bei mir zuletzt solche Momente, an denen ich mich kaum satt sehen konnte?

Freiraum

Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

Ich lese (und höre) in diesen Worten eine herrliche Verheißung für die Ewigkeit: nämlich dass wir uns werden satt sehen können an Gott selbst. Die Ewigkeit als ein nicht endendes, ganz und gar heiles Sein voller Schönheit und Kraft, voller Anmut und Liebe. Und im Zentrum: Gott selbst.

Ich lese aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 33: „Und der Herr sprach mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie einer, der mit seinem Freund redet.“

Und aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 21: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde (…) Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein.“ (Offenbarung 21,1.3)

Es wird eine Zeit kommen, in der wir uns an Gott nicht werden satt sehen können. In der von Gott dauerhaft und ungebrochen heiles Leben, Anmut, Liebe und Schönheit ausgehen. In der wir Gott sehen werden von Angesicht zu Angesicht und er mit uns reden wird wie mit einem Freund.

In der Stille gebe ich den Gedanken, Bildern und Sehnsüchten Raum, die jetzt in mir sind.

Freiraum

Höre mich an, HERR! Denn ich bitte um ein gerechtes Urteil!
Achte auf mein Schreien! Schenk meinem Gebet ein offenes Ohr!
Über meine Lippen kommt keine Lüge!
Sieh mit eigenen Augen, wie aufrichtig ich bin!
Du hast mein Herz geprüft,
in der Nacht hast du erforscht, was in mir vorgeht;
du hast mich wie Metall im Feuer geläutert –
und nichts Verwerfliches an mir gefunden.
Nun rufe ich zu dir, denn du erhörst mich, o Gott.
Schenk mir ein offenes Ohr und höre auf mein Gebet!
Bewahre mich wie deinen Augapfel, birg mich im Schatten deiner Flügel.
Bewahre mich durch deine starke Hand vor den Menschen, HERR,
die alles Begehrenswerte allein von dieser vergänglichen Welt erwarten.
Sie rechnen nicht mit dem Unheil, das du für sie aufgespart hast!
Ich aber werde dein Angesicht sehen, weil ich nach deinem Willen lebe.
Wenn ich erwache, darf ich mich satt sehen an deiner Gestalt.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)