Psalm 18 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 95

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

Ich bin ein wenig über diese Worte hier gestolpert:

Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.

Ich gebe zu: hier kippt mir die Begeisterung des Psalmbeters ein wenig zu sehr ins Überschwängliche. Wer die Lebensgeschichte von König David, dem Psalmbeter, kennt, der weiß: so einfach war es dann doch nicht. Immer wieder wurde David von verschiedenen Feinden bedroht und musste fliehen – manchmal sogar viele Monate lang und unter stets neuer Lebensgefahr.

Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.

So einfach und schnell ging es dann doch nicht! Oft hat es sogar ganz schön lange gedauert.

In Gedanken schaue ich auf mein bisheriges Leben zurück: wo hatte ich über längere Zeit mit Krankheit oder äußeren Schwierigkeiten oder böswilligen Menschen oder meinen eigenen Abgründen zu kämpfen? Und ist der Kampf beendet oder dauert er noch an?

Freiraum

So ganz einfach und schnell gehen unsere Kämpfe also meist dann doch nicht vorbei. Und doch mag ich den Überschwang von König David an der Stelle.

Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.

Hier brechen sich Jubel, Dankbarkeit und Zuversicht Bahn. Hier tanzt einer innerlich, feiert Gott und seinen eigenen Glauben. All die Grautöne, Differenzierungen, all die Vielleichts und Abers haben für einen kleinen, rauschhaften Moment einmal Pause und für eine kleine glückliche Weile ist alles gut, klar und einfach.

Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.

In der Stille versuche ich ähnliches: ich drücke alle Differenzierungen, all die Vielleichts und Abers in mir für eine kleine Weile auf Pause und mache mir klar: Der Herr sei gelobt! Er wird mich von allen Feinden und aus allen Kämpfen befreien!

Freiraum

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)