Psalm 18 – Teil III

Lebens Liturgien

Folge 96

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

Die Worte dieses Psalms sind von einer herrlichen Zuversicht durchdrungen. Sie kommen leichtfüßig daher und atmen einen weiten Horizont. Und doch beinhalten sie die Erinnerung an Gefangenschaft, Erschrecken und Angst.

Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.

Die Zuversicht und die frohe Leichtigkeit von Psalm 18 wurzeln also in der Erfahrung von Rettung aus tiefer, existenzieller Not. Der Psalmbeter spürt seine gazellenflinken Füße und den weiten Raum erst so richtig, nachdem Gott die Fesseln des Todes durchtrennt und ihn den beklemmenden Sturzbächen des Unheils entrissen hat.

Und so ist es ja oft: solange unser Leben läuft, unsere Ehe funktioniert, unser Beruf gutes Geld einbringt und wir gesund sind, kommt uns all das Gute selbstverständlich vor. Erst wenn uns etwas davon wegbricht, wenn wir in eine Krise geraten, entdecken wir, wie kostbar gelingendes Leben ist.

Welche scheinbaren Selbstverständlichkeiten des Lebens habe ich nach einer Krise neu entdeckt? Wo sind Dankbarkeit, Wertschätzung und Leichtigkeit für die kleinen und großen Geschenke des Lebens in mir gewachsen?

Freiraum

Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.

Ein bekanntes Motiv aus der orthodoxen Tradition zeigt, wie Christus Adam und Eva am Handgelenk packt und sie wie Ertrinkende aus dem dunklen Reich des Todes und der Hölle herauszieht. Das Spannende: Christus packt die beiden am Handgelenk. Darin kommt zum Ausdruck, dass wir Menschen von uns aus Gott nicht die Hand reichen können. Die Rettung geht ganz und gar von Gott aus.

Der Psalmbeter erlebt genau dies: seine Rettung durch Gott geschieht plötzlich und wundersam. Sie ist überwältigend klar Gottes Werk, trägt einzig und allein seine Handschrift.

Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.

Habe ich – bei mir selbst oder anderen Menschen – schon einmal so klar und eindeutig Gottes rettendes Handeln erlebt? Für wen bitte ich Gott um ein solches Handeln?

Freiraum

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)