Psalm 18 – Teil IV

Lebens Liturgien

Folge 97

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

Die Emotionen dieses Psalms packen mich und reißen mich mit. Der Jubel und die Zuversicht des Psalmbeters färben auf mich ab, stecken mich an. Ich mag die Emotionalität der Psalmen!

Wobei ja Emotionen, wobei Gefühle quer durch die westliche Christentumgeschichte keinen besonders guten Ruf hatten. Sie galten (und gelten bisweilen auch heute noch) als arg unzuverlässig und schwankend. Viele sagen: „Man kann und darf Glaube nicht auf seine Gefühle gründen!“ – und sie haben natürlich Recht. Als Fundament unseres Glaubens taugen Gefühle tatsächlich nicht.

Unsere Gefühle deshalb zu unterdrücken und den Glauben krampfhaft in unseren Verstand einzusperren, hilft allerdings auch nicht weiter. Auf diese Weise vertrocknet unser Glaube und unsere unterdrückten Gefühle bahnen sich dennoch ihren Weg.

Wir können Glaube und Emotionen nicht trennen, weil wir durch und durch emotionale Wesen sind. Gott selber hat uns so geschaffen.

Was für ein Typ Mensch bin ich: eher emotional oder rational? Und welche Rolle spielen meine Gefühle bisher in meinem Glauben?

Freiraum

Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

Für die Psalmen gilt: Gefühle haben Vorfahrt. Die Beter der Psalmen nehmen ihre Emotionen und verwandeln sie in Gebet. Aus diesem Grund sind die Psalmen oft entweder himmelhochjauchzender Jubel oder zu Tode betrübte Klage.

In der Stille spüre ich meinen aktuellen Gefühlen nach? Was bewegt mich gerade? Wonach ist mir zumute? Ich nehme meine Gefühle wahr und versuche, sie in Gebet zu verwandeln.

Freiraum

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott,
meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild,
meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Fels! Hoch erhoben sei der Gott meines Heils!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)