Psalm 18 – Teil V

Lebens Liturgien

Folge 98

Alle Folgen

Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen


Bisher haben wir uns den schönen Seiten von Psalm 18 gewidmet. Es gibt aber auch diese Seite hier:

Ich jagte meinen Feinden nach und holte sie ein.
Erst als sie vernichtet waren, kehrte ich um.
Zerschmettert habe ich sie, sie stehen nicht wieder auf.
Du gabst mir Kraft für den Kampf,
zwangst meine Gegner vor mir auf die Knie.
Du hast meine Feinde zur Flucht gezwungen,
ich konnte meine Hasser vernichten.
Sie schrien, aber da war kein Retter,
ich zerrieb sie wie Staub vor dem Wind, leerte sie wie Straßendreck aus.
Der Herr lebt! Gepriesen sei mein Fels, erhoben der Gott meines Heils!
Denn Gott hat mir Rache verschafft und hat mir die Völker unterworfen.
(auch aus Psalm 18 )

In manchen Psalmen schlägt uns ein aggressiver, hasserfüllter Geist entgegen wie Hitze aus einer Ofenluke. Feinden wird das Schlimmste an den Hals gewünscht oder es wird wie hier von ihrer Vernichtung berichtet – hämisch und voller Genugtuung.

Du gabst mir Kraft für den Kampf,
zwangst meine Gegner vor mir auf die Knie.
Du hast meine Feinde zur Flucht gezwungen,
ich konnte meine Hasser vernichten.
Sie schrien, aber da war kein Retter,
ich zerrieb sie wie Staub vor dem Wind,
leerte sie wie Straßendreck aus.

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass unsere Gefühle tatsächlich niemals Grundlage für unseren Glauben werden dürfen. Wenn wir unsere Gefühle nehmen (besonders die dunklen Gefühle wie Abneigung und Zorn) und sie – unkritisch und selbstgerecht – für heilig erklären, kann daraus schnell religiöser Furor werden. Wir verwechseln dann unsere menschliche Perspektive mit der Perspektive Gottes, wir verwechseln unsere eigene Hartherzigkeit mit der Heiligkeit Gottes.

Gibt es das auch in meinem Leben: dass ich eigene Abneigungen und eigene harte Urteile heilige, indem ich sie für gottgewirkt halte? Dass ich meine eigenen Abneigungen und Verurteilungen Gott unterschiebe?

Freiraum

Du gabst mir Kraft für den Kampf,
zwangst meine Gegner vor mir auf die Knie.
Du hast meine Feinde zur Flucht gezwungen,
ich konnte meine Hasser vernichten.
Sie schrien, aber da war kein Retter,
ich zerrieb sie wie Staub vor dem Wind,
leerte sie wie Straßendreck aus.

Es gibt eine Möglichkeit, selbst solche Stellen geistlich zu lesen, sie geistlich zu interpretieren: nämlich dann, wenn die Feinde für das Böse, den Tod und die Sünde stehen und der gerechte Kämpfer gegen das Böse nicht wir selbst sind, sondern Gott oder Christus.

Und tatsächlich lesen viele Ausleger Psalm 18 als prophetische Worte, die sich erst in Christus ganz erfüllen. Die Stricke des Todes sind dann der Kreuzestod Jesu. Die rettende Hand aus der Höhe ist seine Auferweckung: Gott führt Jesus hinaus ins Weite, lässt ihn über die Mauern des Todes springen und gibt seinen Schritten weiten Raum.

Und mit Blick auf die Kampfesworte, die uns heute beschäftigen, gilt dann – ich zitiere Robert Spaemann: „Hier in Psalm 18 tritt der befreite König an zur endgültigen Vernichtung der Feinde. Das ist die Sendung Christi. Sein Erscheinen ist nicht Defensive. Er ist gekommen, der Schlange den Kopf zu zertrete. Die Dämonen schreien auf, wenn Jesus sich nähert. Die Liebe Christi folgt dem Feind in sein letztes Refugium. Der triumphierende Angriff, von dem in Psalm 18 die Rede ist, ist der bedingungslose Angriff der Liebe, die keine friedliche Koexistenz mit dem Hass kennt und die nicht eher zufrieden ist, als bis sie gesiegt hat.“

Wie geht es mir mit diesen Bildern von Kampf und Sieg? Hat das Kämpfen einen Platz in meinem Glauben? Wenn ja: wann und wo?

Freiraum

Herzlich lieb habe ich dich, HERR, meine Stärke!
Herr, mein Fels, mein Schutz und mein Retter, mein Gott, meine Burg, in der ich mich berge, mein Schild, meine Zuflucht und mein sicheres Heil.
Ich rufe: „Der Herr, sei gelobt!“ Schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Fesseln des Todes hielten mich gefangen, Sturzbäche des Unheils erschreckten mich.
Mit Stricken des Todes war ich gebunden.
Da schrie ich zum Herrn in meiner Angst – und er hörte mich.
Mein Hilfeschrei erreichte sein Ohr.
Aus der Höhe griff seine Hand nach mir, fasste mich und zog mich aus der Flut.
Er entriss mich den mächtigen Feinden, die stärker waren als ich.
Er führte mich hinaus ins Weite, riss mich aus aller Gefahr heraus, weil er Gefallen an mir hatte.
Mit dir kann ich meinen Feinden entgegenstürmen,
mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet. Er hält mich auf dem richtigen Weg.
Er macht meine Füße gazellenflink und standfest auf allen Höhen.
Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.
Ich jagte meinen Feinden nach und holte sie ein.
Erst als sie vernichtet waren, kehrte ich um.
Zerschmettert habe ich sie, sie stehen nicht wieder auf.
Du gabst mir Kraft für den Kampf,
zwangst meine Gegner vor mir auf die Knie.
Du hast meine Feinde zur Flucht gezwungen,
ich konnte meine Hasser vernichten.
Sie schrien, aber da war kein Retter,
ich zerrieb sie wie Staub vor dem Wind, leerte sie wie Straßendreck aus.
Der Herr lebt! Gepriesen sei mein Fels, erhoben der Gott meines Heils!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)