Psalm 19 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 99

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes,
das Firmament verkündigt das Werk seiner Hände.
Ein Tag erzählt es dem anderen,
und eine Nacht teilt es der anderen mit.
Ohne Sprache und ohne Worte, lautlos ist ihre Stimme.
Und doch geht ein Klingen über die Erde, ein Raunen bis ans Ende der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;
wie ein Bräutigam am Hochzeitstag kommt sie hervor,
wie ein strahlender Sieger betritt sie die Bahn.
An einem Ende des Himmels geht sie auf
und läuft hinüber bis zum anderen Rand.
Nichts bleibt vor ihrem feurigen Auge verborgen.

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es stärkt und erfrischt die Seele.
Was der HERR in seinem Wort bezeugt,
darauf kann man sich verlassen,
auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt.
Die Gebote des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Vorschriften des Herrn sind klar und schenken Einsicht.
Wertvoller als Gold sind sie und süßer als Honig.

HERR, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen;
sie zu befolgen bringt großen Lohn.
Wer kann schon merken, wie oft er falsch handelt?
Vergib mir auch die verborgene Schuld!
Und halte mich vor dem Hochmut zurück,
dass er nie über mich herrscht!
Dann stehe ich ohne Tadel da
und werde vor großem Unrecht bewahrt.

Mögen die Worte, die ich sage,
und die Gedanken, die ich fasse,
dir gefallen, HERR,
mein Fels und mein Erlöser.

Wie schön ist denn bitte dieser Psalm?!

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes,
das Firmament verkündigt das Werk seiner Hände.
Ein Tag erzählt es dem anderen,
und eine Nacht teilt es der anderen mit.
Ohne Sprache und ohne Worte, lautlos ist ihre Stimme.
Und doch geht ein Klingen über die Erde,
ein Raunen bis ans Ende der Welt.

Dieser Psalm atmet eine tiefe Schönheit. Überhaupt spielt Schönheit im christlichen Glauben eine große Rolle. Egal ob gregorianischer Choral, Bachkantate oder guter Lobpreis – Musik zur Ehre Gottes ist in der Regel wunderschön. Oder alte, ehrwürdige Gebete und Liturgien: sie strahlen oft eine Schönheit und Klarheit aus, die das Herz reinigt und erhebt. Oder christliche Kunst und Architektur: sie stecken voll kluger und tiefer Schönheit, Kirchenfenster voller Farbe und Anmut, durch die die Morgensonne fällt.

Die christlichen Mystiker behaupten: Im Schönen erahnen wir die Ur-Schönheit Gottes. Sie sagen: Immer dann, wenn uns echte Schönheit begegnet, berührt uns Gott … dann begegnen wir auf eine besondere Weise Gott.

Wo hatte ich zuletzt das Gefühl, dass Gott mir in Form von Schönheit wohlgetan hat, vielleicht sogar mir in etwas Schönem begegnet ist?

Freiraum

Im Schönen erahnen wir also die Ur-Schönheit Gottes. Immer dann, wenn uns echte Schönheit begegnet, berührt uns Gott.

Das Ganze „funktioniert“ aber nicht automatisch. Wir können bei äußerer Schönheit stehenbleiben. Wir können Schönheit an sich vergöttern und anbeten und Gott selbst dabei weit weg von unserem Herz halten. Augustinus, der alte Kirchenvater, hat das so erlebt. Lange Jahre war er auf der ständigen Jagd nach Schönem, hat versucht, Schönheit zu erobern, zu konsumieren, zu besitzen. Aber sein Herz blieb kalt. Erst als er Gott, die Ur-Schönheit, in sein eigenes Herz einließ, hat dies sein Leben in der Tiefe geprägt und verändert. Das folgende Gebet stammt von ihm:

Spät habe ich dich geliebt, o Schönheit,
so alt und doch immer neu,
spät habe ich dich geliebt.
Und siehe, du warst in meinem Inneren und ich draußen;
und draußen suchte ich dich
und stürzte mich in meiner Hässlichkeit auf die schönen Gebilde.
Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir.
Da hast du mich laut gerufen und meine Taubheit zerrissen;
da hast du geblitzt und geleuchtet und meine Blindheit verscheucht.
Du hast mir süßen Duft zugeweht;
ich habe ihn eingesogen und nun seufze ich nach dir.
Ich habe dich geschmeckt und nun hungere und dürste ich nach dir.
Du hast mich berührt und ich bin entbrannt in deinem Frieden.“
(Augustinus)

Habe auch ich das schon erlebt: dass ich mich von der oberflächlichen Schönheit der Welt habe gefangen nehmen lassen, dass ich oberflächlicher Schönheit nachgejagt bin?
In Kopf und Herz wende ich mich Gott selbst, der Ur-Schönheit, zu und halte mich ihm hin.

Freiraum

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes,
das Firmament verkündigt das Werk seiner Hände.
Ein Tag erzählt es dem anderen,
und eine Nacht teilt es der anderen mit.
Ohne Sprache und ohne Worte, lautlos ist ihre Stimme.
Und doch geht ein Klingen über die Erde, ein Raunen bis ans Ende der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;
wie ein Bräutigam am Hochzeitstag kommt sie hervor,
wie ein strahlender Sieger betritt sie die Bahn.
An einem Ende des Himmels geht sie auf
und läuft hinüber bis zum anderen Rand.
Nichts bleibt vor ihrem feurigen Auge verborgen.

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es stärkt und erfrischt die Seele.
Was der HERR in seinem Wort bezeugt,
darauf kann man sich verlassen,
auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt.
Die Gebote des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Vorschriften des Herrn sind klar und schenken Einsicht.
Wertvoller als Gold sind sie und süßer als Honig.

HERR, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen;
sie zu befolgen bringt großen Lohn.
Wer kann schon merken, wie oft er falsch handelt?
Vergib mir auch die verborgene Schuld!
Und halte mich vor dem Hochmut zurück,
dass er nie über mich herrscht!
Dann stehe ich ohne Tadel da
und werde vor großem Unrecht bewahrt.

Mögen die Worte, die ich sage,
und die Gedanken, die ich fasse,
dir gefallen, HERR,
mein Fels und mein Erlöser.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)