Psalm 19 – Teil V

Lebens Liturgien

Folge 103

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes,
das Firmament verkündigt das Werk seiner Hände.
Ein Tag erzählt es dem anderen,
und eine Nacht teilt es der anderen mit.
Ohne Sprache und ohne Worte, lautlos ist ihre Stimme.
Und doch geht ein Klingen über die Erde, ein Raunen bis ans Ende der Welt.

Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;
wie ein Bräutigam am Hochzeitstag kommt sie hervor,
wie ein strahlender Sieger betritt sie die Bahn.
An einem Ende des Himmels geht sie auf
und läuft hinüber bis zum anderen Rand.
Nichts bleibt vor ihrem feurigen Auge verborgen.

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es stärkt und erfrischt die Seele.
Was der HERR in seinem Wort bezeugt,
darauf kann man sich verlassen,
auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt.
Die Gebote des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Vorschriften des Herrn sind klar und schenken Einsicht.
Wertvoller als Gold sind sie und süßer als Honig.

HERR, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen;
sie zu befolgen bringt großen Lohn.
Wer kann schon merken, wie oft er falsch handelt?
Vergib mir auch die verborgene Schuld!
Und halte mich vor dem Hochmut zurück,
dass er nie über mich herrscht!
Dann stehe ich ohne Tadel da
und werde vor großem Unrecht bewahrt.

Mögen die Worte, die ich sage,
und die Gedanken, die ich fasse,
dir gefallen, HERR,
mein Fels und mein Erlöser.

Ich gebe zu, dass diese Worte hier ein wenig steil wirken:

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es stärkt und erfrischt die Seele.
Die Gebote des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Vorschriften des Herrn sind klar und schenken Einsicht.
Wertvoller als Gold sind sie und süßer als Honig.

Mich persönlich bringen all die vielen, vielen biblischen Gebote und Verbote selten zum Schwärmen. Was ich eher erlebe ist, dass mir beim Bibellesen das Herz eng wird von all dem vielen Sollen und Müssen und Drohen und Warnen. Wenn ich mich durch ein ganzes Kapitel voller Anweisungen für ein heiliges, untadeliges Leben lese, fühle ich mich oft überfordert und irritiert. Und das alles soll nun wertvoller als Gold sein und süßer als Honig? Das alles soll meine Seele stärken und erfrischen?

In der Stille sage ich Gott, wie es mir mit den vielen biblischen Geboten und Verboten so geht.

Freiraum

Der Wortlaut und die Massivität vieler biblischer Anweisungen setzen mir also oft zu. Aber zugleich merke ich: die Richtung, in die all diese Gebote und Verbote weisen, ist eine gute: je großzügiger ich gebe, desto mehr Freude verschenke ich. An je weniger Klatsch, Tratsch und Halbwahrheiten ich mich beteilige, desto aufgeräumter fühle ich mich. Je mehr Treue und Liebe ich in meine Familie, einzelne Freundschaften und Menschen am Rand der Gesellschaft investiere, desto vertrauensvoller werden meine Beziehungen. Je mehr ich vergebe, desto heller wird es – in mir und um mich herum.

Das gelingende Leben, in das hinein die Gebote Gottes weisen, ist tatsächlich wertvoller als Gold und süßer als Honig. Gelingendes Leben stärkt und erfrischt die Seele.

In der Stille schaue ich auf einen Bereich in meinem Leben, in dem es mit Gottes Hilfe schon besser und heller geworden ist. Ich danke Gott dafür und feiere, wo Leben gelingt.

Freiraum

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen,
es stärkt und erfrischt die Seele.
Was der HERR in seinem Wort bezeugt,
darauf kann man sich verlassen,
auch einem Unerfahrenen wird dadurch Weisheit geschenkt.
Die Gebote des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz.
Die Vorschriften des Herrn sind klar und schenken Einsicht.
Wertvoller als Gold sind sie und süßer als Honig.

HERR, auch ich, dein Diener, lasse mich durch sie zurechtweisen;
sie zu befolgen bringt großen Lohn.
Wer kann schon merken, wie oft er falsch handelt?
Vergib mir auch die verborgene Schuld!
Und halte mich vor dem Hochmut zurück,
dass er nie über mich herrscht!
Dann stehe ich ohne Tadel da
und werde vor großem Unrecht bewahrt.

Mögen die Worte, die ich sage,
und die Gedanken, die ich fasse,
dir gefallen, HERR,
mein Fels und mein Erlöser.

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)