Psalm 20 – Teil I

Lebens Liturgien

Folge 105

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen


Psalm 20 – ein Psalm voller Glück- und Segenswünsche des Volkes Israel für seinen König:

Der HERR erhöre dich, wenn du in Not zu ihm rufst,
der Name des Gottes Israels schütze dich.

Er sende dir Hilfe aus seinem Heiligtum,
und stehe dir von Jerusalem her bei.

Er nehme deine Opfer an,
und reagiere auf deine Brandopfer mit Freude.

Er gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

Unsere Gegner verlassen sich auf Kampfwagen und Pferde,
wir aber vertrauen dem Herrn, unserem Gott.

HERR, hilf uns!
Er, der höchste König, wird uns erhören
noch am selben Tag, an dem wir zu ihm rufen!

Gute Wünsche gibt es viele. Sie klingen gut und erfreuen oder rühren das Herz dessen, dem da Gutes gewünscht wird. Darüber hinaus allerdings sind sie wirkungslos. Guten Wünschen wohnt schließlich keine magische Kraft inne.

Mit Segenswünschen verhält es sich ein wenig anders. Na gut, ich gebe zu: auch Segenswünsche kann man so etwas unbedacht nett vor sich hinsagen. Aber eigentlich sind Segenswünsche eine Mischung aus Segen und Gebet. Sie sind Fürbitte an Gott und zugleich kraftvoller Segenszuspruch mit Wirkung.

Die Segenswünsche dieses Psalms tragen die Überzeugung in sich, einen Einfluss zu haben auf die Herbeiführung des Gewünschten. Nicht im Sinne direkt wirkender Magie, sondern indirekt: sie nehmen den Umweg über Gott. Wenn ich einen Menschen segne, dann erwarte und erbitte ich von Gott sein Wirken in meine Segensworte hinein.

In der Stille segne ich einige Menschen aus meinem Umfeld – darunter mindestens eine Person, die zu segnen mir eher schwerfällt.

Freiraum

Der Name des Gottes Israels schütze dich.

Hm, das klingt nun doch ein bisschen nach Magie. Schützt die Nennung des Namens Gottes oder auch des Namens Jesu? Ist das so eine Art Zauberspruch?

Robert Spaemann schreibt: „Der Name Gottes, das ist die Weise, wie Gott unter uns gegenwärtig ist. Metaphysisch gesehen ist Gott überall gegenwärtig. Wirklich für uns da, ist er aber erst, wenn er sich zu erkennen gibt und es uns möglich macht, ihn zu nennen, ihn anzurufen.“

Der Name des Gottes Israels schütze dich.

Dieser Segenswunsch ruft also nicht irgendeine göttliche Schicksalsmacht an, sondern stellt Gott als liebendes, zugewandtes Gegenüber segnend über das Leben des Königs.

Wem wünsche ich eine solche personhafte Begegnung mit unserem liebenden, zugewandten Gott? In der Stille bitte ich Gott darum.

Freiraum

Der HERR erhöre dich, wenn du in Not zu ihm rufst,
der Name des Gottes Israels schütze dich.

Er sende dir Hilfe aus seinem Heiligtum,
und stehe dir von Jerusalem her bei.

Er nehme deine Opfer an,
und reagiere auf deine Brandopfer mit Freude.

Er gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

Unsere Gegner verlassen sich auf Kampfwagen und Pferde,
wir aber vertrauen dem Herrn, unserem Gott.

HERR, hilf uns!
Er, der höchste König, wird uns erhören
noch am selben Tag, an dem wir zu ihm rufen!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)