Psalm 20 – Teil II

Lebens Liturgien

Folge 106

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 3: KlosterPsalmen. Die 150 Psalmen der Bibel sind Herzstück aller klösterlichen Gebete. Sie sind bis oben hin angefüllt mit Leben: mit Glaube und Zweifel, Klage und Jubel, Hilflosigkeit und Übermut. Mithilfe der LebensLiturgien tauchen wir ein in die Welt der Psalmen und beten uns – wie im Kloster – Stück für Stück durch sie hindurch.

Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, Psalmtext und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Und sammle meine Gedanken.

Herr, du bist hier. Jetzt. In diesem Moment.
Du schaust mich liebevoll an.

Ein Gebet von Benedikt von Nursia, Vater des Mönchtums, aus dem 6. Jahrhundert:

Verleih mir,
gütiger und heiliger Vater,
in deiner Huld:
einen Verstand, der dich versteht,
einen Sinn, der dich wahrnimmt,
einen Eifer, der dich sucht,
ein Herz, das dich liebt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
eine Geduld, die auf dich harrt.
Amen


Die heutige Folge ist der vorläufige Abschuss der aktuellen Staffel KlosterPsalmen. Natürlich sind schon noch ein paar Psalmen übrig, aber die müssen sich noch ein wenig gedulden. Denn: neues Jahr, neue Staffel. Im Januar beginnt Staffel 5 „Teresa erzählt“ – eine Reihe von Folgen über das Leben von Teresa von Avila.

Heute aber noch einmal: Psalm 20.

Der HERR erhöre dich, wenn du in Not zu ihm rufst,
der Name des Gottes Israels schütze dich.

Er sende dir Hilfe aus seinem Heiligtum,
und stehe dir von Jerusalem her bei.

Er nehme deine Opfer an,
und reagiere auf deine Brandopfer mit Freude.

Er gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

Unsere Gegner verlassen sich auf Kampfwagen und Pferde,
wir aber vertrauen dem Herrn, unserem Gott.

HERR, hilf uns!
Er, der höchste König, wird uns erhören
noch am selben Tag, an dem wir zu ihm rufen!

Die folgende Bitte wirkt ein wenig arg überschwänglich:

Der Herr gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

Ich plädiere dafür, diese Bitte als ein Beleg für die Beobachtung des Paulus aus dem Römerbrief zu nehmen: „Denn wir wissen ja nicht, was wir beten sollen.“ (Römer 8,26).

Ich selbst kann und will dieses Gebet weder für meine Frau, noch für meinen Sohn, noch für unseren neuen Bundeskanzler beten. Und auch für mich selbst nicht.

Die Erfüllung aller meiner Bitten …

Das Erreichen aller meiner Ziele …

Im Großen und Ganzen bin ich froh, dass Gottes Perspektiven und sein Wollen sich immer wieder in mein Leben einmischen. Und so manch enttäuschte Wünsche und nicht erreichte Ziele haben meinen Charakter wohltuend geformt.

In der Stille schaue ich auf mein bisheriges Leben zurück: an welchen Punkten war es gut, dass meine Wünsche und Pläne gerade nicht Wirklichkeit geworden sind?

Freiraum

Wobei: eine Möglichkeit gibt es natürlich wieder, dieses Gebet guten Gewissens zu beten. Nämlich dann, wenn ich dieses Gebet nicht für irgendeinen – mehr oder weniger königlichen – Menschen spreche, sondern für den König schlechthin, also für Jesus. Wenn ich für Christus zu seinem himmlischen Vater bete:

Der Herr gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

So, mit Blick auf Christus, sind diese Worte nichts anderes als das berühmte „Dein Reich komme, dein Wille geschehe!“ Es gibt nichts Kostbareres, worum wir beten können.

In der Stille betrachte ich die verschiedenen Bereiche meines Lebens. Für jeden dieser Lebensbereiche bete ich – laut oder leise: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe.“

Freiraum

Der HERR erhöre dich, wenn du in Not zu ihm rufst,
der Name des Gottes Israels schütze dich.

Er sende dir Hilfe aus seinem Heiligtum,
und stehe dir von Jerusalem her bei.

Er nehme deine Opfer an,
und reagiere auf deine Brandopfer mit Freude.

Er gebe dir, wonach du dich von Herzen sehnst,
und führe alle deine Pläne zum Ziel.
Der HERR erfülle dir alle deine Bitten!

Unsere Gegner verlassen sich auf Kampfwagen und Pferde,
wir aber vertrauen dem Herrn, unserem Gott.

HERR, hilf uns!
Er, der höchste König, wird uns erhören
noch am selben Tag, an dem wir zu ihm rufen!

So lade ich dich, Gott, nun ein, den Tag, der vor mir liegt, zu gestalten – in mir und mit mir.

Atme in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes denke.
Wirke in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes fühle!
Pulsiere in mir, Heiliger Geist, dass ich heute Gutes tue!
Dir gebe ich meinen Tag und mein Leben.
Erfülle mich mit deiner Kraft und mit deiner Liebe.
Heute. Und an allen Tagen. Und in Ewigkeit. Amen.
(nach Augustinus)