Inneres Beten – was ist das eigentlich?

Lebens Liturgien

Folge 116

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Teresa schwärmt vom inneren Beten. Das innere Beten ist ihr Fundament, Zentrum, Rettung, Inspiration. Teresa wird von der katholischen Kirche als „Lehrerin des Betens“ bezeichnet. Was aber ist dieses innere Beten eigentlich?

Die Antwort ist … nun … gar nicht so einfach. Weil Teresa die Bezeichnung „inneres Beten“ mindestens in einem zweifachen Sinn gebraucht: zum einen als eine besondere mystische Gebetsstufe, als ein besonders inniges Erleben von Gottesnähe, als einen Zustand des Erfülltseins mit göttlicher Ruhe, Frieden und Glück.

An anderen Stellen beschreibt Teresa mit „innerem Beten“ eine bestimmte innere Haltung beim Gebet. Eine innere Haltung, die nicht nur zerstreut Gebetsworte vor sich hinplappert, sondern wirklich Gott meint und den liebevollen, vertrauten Umgang mit Gott sucht. In diesem zweiten Sinne schreibt sie:

„Das innere Gebet ist, so meine ich, nichts anderes als ein freundschaftlicher Umgang, ein häufiges persönliches Umgehen mit dem, von dem wir wissen, dass er uns liebt.“

Diese innere Haltung ist für sie deshalb so zentral, weil sie bei ihren Mitschwestern im Kloster oftmals das Gegenteil erlebt: ein kühles, gelangweiltes Verrichten der vorgeschriebenen Gebete. Lästige Pflichterfüllung – zum Teil sogar als Dienstleistung für Spender von außerhalb. Immer wieder delegieren Bewohner Avilas das Beten an die Nonnen im Kloster: für eine bestimmte Summe an Geld erwerben sie eine bestimmte Anzahl an von geistlichen Profis gesprochenen Gebeten. Gebet als religiöse Leistung.
Für Teresa hat das mit Beten im eigentlichen Sinn nichts zu tun:

„Bedenkt, wenn ihr vor den Herrn tretet, wer der ist, zu dem ihr sprecht. Auf ihn allein muss all eure Aufmerksamkeit gerichtet sein. Das ist inneres Gebet! Inneres Beten heißt, darüber nachdenken, und sich bewusstmachen, was wir beten, mit wem wir sprechen und wer wir sind, die wir es wagen, uns einem so großen Herrn zu nähern.“

Ob nun also freies mündliches Gebet, oder das Nachbeten vorgegebener Worte, oder das schweigende, kontemplative Gebet: immer ist es wichtig, dass es von innen kommt und wirklich Gott meint. Inneres Beten heißt: sich zu Gott hinwenden und zu ihm „Du“ sagen; an Gott denken und sich seine Gegenwart bewusst machen. Inneres Beten heißt: Herzensfreundschaft mit Gott.

„Inneres Beten ist Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

In der Stille versuche ich genau das: Ich wende mich an Gott wie an einen guten Freund. Ich mache mir Gottes Liebe und seine Freundschaft zu mir bewusst und dann verweile ich in dieser Freundschaft: entweder, indem ich vertraut und liebevoll mit Gott rede. Oder indem ich Gottes Liebe und seiner Freundschaft zu mir schweigend nachspüren …

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.