Inneres Beten im Alltag

Lebens Liturgien

Folge 117

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Teresa ringt – bei sich und bei anderen – um eine echte, gute innere Haltung beim Beten. Sie ringt darum, dass wir – wenn wir beten – wirklich Gott meinen, dass wir Konzentration, Ehrlichkeit und Liebe aufbringen für unser Beten, dass sich eine Freundschaft entwickelt zwischen ihm und uns.

Für Teresa ereignet sich dieses Beten weitgehend in den täglichen Zeiten des Rückzugs und der Stille. Mehrfach am Tag macht sie sich auf, zieht sich zurück in ihre Zelle und vertieft sich in ihre Freundschaft zu dem, den sie mal „Freund“ und mal „Majestät“ nennt. Jetzt hat Teresa – zumindest mit Blick auf das innere Beten – uns gegenüber den gewaltigen Vorteil, dass sie als Nonne in einem Kloster lebt. Alles um sie herum ist darauf ausgelegt, Rückzug, Stille und Gebet zu ermöglichen und zu fördern. Bei uns ist meist genau das Gegenteil der Fall: alles um uns herum scheint darauf ausgelegt, uns beschäftigt zu halten oder abzulenken. Unser Leben ist schnell, laut und voll. Ausführliche Zeiten für Rückzug, Stille und Gebet müssen wir uns hart erkämpfen. Ist inneres Beten, ist Herzensfreundschaft zu Gott also nur etwas für religiöse Profis?

Es gibt noch einen anderen Ansatz des inneren Betens, der viel stärker die täglichen Aufgaben und Pflichten in den Blick nimmt. Bekannt geworden ist dieser Ansatz anhand des Lebens eines Mannes, der einhundert Jahre später gelebt hat als Teresa, und genau wie sie Mitglied des Karmeliterordens (also Mönch) war. Sein Name: Bruder Lorenz von der Auferstehung. Er schreibt:

„Ich bin bei meiner gewöhnlichen Arbeit viel näher mit Gott vereinigt, als wenn ich meine Arbeit verlasse, um mich eigens zur Vereinigung mit Gott zum Gebet in der Abgeschiedenheit zurückzuziehen, und ich fühle mich gewöhnlich ganz ausgetrocknet, wenn ich aus solcher Abgeschiedenheit zurückkomme.“

Bruder Lorenz hat das innere Gebet auf einzigartige und inspirierende Weise mit seiner täglichen Arbeit verbunden:

„Wir müssen danach trachten, uns in der Gegenwart Gottes festzumachen und uns mit ihm in einem ununterbrochenen Gespräch befinden. Anfangs kostet es etwas Fleiß, die feste Gewohnheit zu erlangen, stets mit Gott umzugehen und alles Tun auf ihn auszurichten. Aber nach einiger Mühe fühlt man sich ohne irgendwelche Anstrengung einfach von seiner Liebe dazu aufgeweckt. Meine gewöhnlichste Methode ist diese einfache Aufmerksamkeit und das allgemeine, liebevolle Aufsehen zu Gott.
Wir haben nichts anderes zu tun, als zu erkennen, dass Gott in unserem Inneren gegenwärtig ist, und dass wir ihn alle Augenblicke ansprechen und ihn um seinen Beistand bitten. Wäre ich ein Prediger, ich wollte nichts anderes predigen als diese Übung der Gegenwart Gottes. Wäre ich ein geistlicher Führer, ich würde diese Übung allen Leuten ans Herz legen.“

Ich nehme mir vor, heute möglichst viele kleine Gottes-Momente einzubauen in meinen Alltag. Wann immer ich daran denke, blicke ich Gott mit den Augen meines Herzens kurz an, wechsle vielleicht sogar ein paar kurze Worte. Vielleicht kann ein bestimmter Gegenstand oder der Wecker im Handy mich zu bestimmten Zeiten daran erinnern. In der Stille überlege ich, wie und wo ich meinen Tag heute für Gott öffnen kann.

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.