Bin ich falsch?

Lebens Liturgien

Folge 126

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Die Intimität, die Teresa im Gebet mit Gott erlebt, ist selbst geistlichen Menschen in Teresas Umfeld vollkommen fremd. So kommt es, dass Teresa sich selbst und ihren Erfahrungen nicht richtig über den Weg traut.

„Da in diesen Zeiten bei einigen Frauen schlimme Wahnbilder und Täuschungen aufgetreten waren, die der Böse ihnen vorgegaukelt hatte, begann ich, mich zu fürchten, weil die innere Freude und Zärtlichkeit, die ich empfand, so groß waren. Als ich sah, dass sich meine Angst immer mehr verschlimmerte, weil mein Gebet tiefer wurde, schien mir, dass dahinter entweder ein großes Gut oder etwas ganz Schlimmes steckte. Ich verstand nämlich sehr wohl, dass das, was da in mir war, etwas Übernatürliches war.“

Teresa sucht also nach Menschen, die ihr bei der Einordnung des Erlebten helfen können. Ihre Hoffnung richtet sich zuerst auf einen Pfarrer in Avila, der als sehr gelehrt gilt und von dessen vorbildlichem Leben man sich viel erzählt. Gleich das erste Treffen jedoch verläuft ausgesprochen ernüchternd. Der Pfarrer hat wenig Zeit, hört nicht richtig zu und gibt Teresa den Befehl, gefälligst sündloser zu leben.

Der zweite Beichtvater, an den Teresa auf ihrer Suche gerät, ist ihr innerlich zwar deutlich mehr zugetan, redet mit ihr aber ebenso wie der Pfarrer ständig nur von Sünden und deren Überwindung. Als sie ihm von der Freiheit und der Ruhe erzählt, die sie beim inneren Beten empfindet, wird er unruhig. Solche Glückgefühle kennt er nicht. Sie sind für ihn Belohnungen Gottes, die nur solchen Menschen zuteilwerden, die besonders heilig und weitgehend sündlos leben. Die Vorstellung, dass Gott sich jemandem liebevoll zuwendet, ohne dass derjenige sich diese Gunst verdient hat, löst bei ihm geradezu panische Angst aus, dass hier ein böser Geist am Werk sein muss.

„Als er mir das sagte, war ich vor lauter Angst ganz niedergeschlagen und in Tränen aufgelöst. Denn ich wollte Gott wirklich gefallen und konnte mich nicht zur Überzeugung durchringen, dass der Böse im Spiel wäre. Gleichzeitig fürchtete ich, dass mich der Böse so blind machte, dass es ich es nicht erkannte.“

Als Teresa ein Buch findet, in dem ähnliche Gotteserfahrungen beschrieben werden wie Teresa sie gemacht hat, unterstreicht sie die entsprechenden Stellen und gibt sie beiden Beichtvätern zum Lesen.

„Als dann die Antwort kam, die ich mit großer Angst erwartete, kam er tief betrübt zu mir und sagte mir, dass es nach allem, was sie beide dafürhielten, vom Bösen stamme. Das bereitete mir so viel Angst und Schmerz, dass ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Nur noch weinen konnte ich.“

Einen Hoffnungsschimmer allerdings lassen die beiden Beichtväter ihr. Sie tragen ihr auf, sich mit einem Jesuiten-Pater zu unterhalten, da Jesuiten in solchen Dingen erfahrener seien als sie. Dieses Gespräch erweist sich als Glücksfall.

„Als ich nun mit diesem Diener Gottes – das war er nämlich wirklich, und sehr klug – meinen ganzen Seelenzustand besprach, erklärte er mir als einer, der mit dieser Sprache sehr vertraut war, alles und machte mir viel Mut Er sagte, dass es deutlich erkennbar von Gottes Geist ist und notwendig sei, wieder zum inneren Beten zurückzukehren. In allem schien mir der Heilige Geist durch ihn zu sprechen und meine Seele zu heilen.“

Gibt es auch in meinem Leben Erfahrungen – oder vielleicht auch Interessen, Neigungen, Charakterzüge – bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie gottgewollt sind oder nicht? Die sich auf der einen Seite richtig, gut und zu mir gehörig anfühlen, andererseits aber irgendwie aus der Norm fallen?

Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.