Angst. Und ihre Überwindung.

Lebens Liturgien

Folge 127

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Auch nach dem ermutigenden Zuspruch durch einen Jesuitenpater halten sich in Teresa – und vor allem in Teresas Umfeld – die Zweifel daran, ob Teresas übernatürliche Gebetserfahrungen wirklich von Gott kommen oder nicht. Teresa gerät an einen neuen Beichtvater, jung, streng, unsicher und ungeduldig, der Teresa haufenweise Bußübungen auferlegt. Immer wieder berät er sich mit einer Gruppe anderer Geistlicher und kommt schließlich zu folgendem Ergebnis:

„Mein Beichtvater sagte mir, dass sie alle zur Überzeugung gelangt seien, dass es vom Bösen stamme. Dies verängstigte mich sehr. Sie führten ja alle ein unvergleichlich besseres Leben als ich: warum hätte ich ihnen da nicht glauben sollen? Mir gereichte nichts zum Trost. So ging ich in eine Kapelle. Als ich dort nun allein war, ohne einen Menschen, bei dem ich mein Herz hätte ausschütten können, vermochte ich weder Gebete zu sprechen noch zu lesen, sondern war wie jemand, der vor lauter Qual und Angst völlig verworren und zermürbt war.“

In dieser Situation, gefangen in ihrer Angst, ist Teresa völlig auf Gott angewiesen. Da hört sie von Gott her ganz klar und deutlich diese Worte in ihrem Herzen. „Hab keine Angst, Tochter, ich bin es und ich werde dich nicht im Stich lassen; fürchte dich nicht!“

„Siehe da, allein durch diese Worte war ich beruhigt, voller Kraft und Mut, Gewissheit, und so voll Ruhe und Licht, dass ich meine Seele in einem Nu ganz verändert erlebte. Ich glaube, dass ich jetzt mit der ganzen Welt gestritten hätte, dass es von Gott kam. Wie gut ist doch Gott! Wie gut ist er und wie mächtig! Ich nahm ein Kreuz in die Hand, und es war mir, als flößte mir Gott wirklich Mut ein, denn ich erlebte mich in kurzer Zeit verändert, so dass ich mich nicht mehr gefürchtet hätte, mit ihnen in ein Handgemenge zu geraten. Ich sagte: „Kommt jetzt nur alle her! Da ich eine Dienerin des Herrn bin, möchte ich mal sehen, was ihr mir anhaben könnt!“

Teresa erlebt also, wie Gott stärker ist als ihre Ängste, wie Gott durch einige tiefe, ermutigende Herzensworte ihr die Angst nimmt vor Teufel, Sünde, Hölle und einflussreichen Kirchenmännern, wie Gott sie von ihren tiefsten Ängsten erlöst. Sie wird durch dieses Erlebnis zu der Frau, die von einem ihrer späteren Ratgeber so beschrieben wird: „Gott hat ihr einen so wackeren Mut gegeben, dass es einen erstaunt.“

„Es besteht kein Zweifel, dass nun viele Männer, wie mir schien, Angst vor mir hatten, weil ich ruhig und ihnen allen gegenüber so furchtlos blieb. Alle meine Ängste, die ich bis dahin hatte, sind bis auf den heutigen Tag verschwunden – auch wenn ich sie gelegentlich immerhin noch zu sehen bekam.“

Welche Ängste haben Einfluss auf mein Leben? Was fürchte ich? In der Stille halte ich Gott meine Ängste hin.


Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.