Ein Kloster ohne festes Einkommen

Lebens Liturgien

Folge 131

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Herzlich Willkommen zu „Lebensliturgien für den Alltag“ – Staffel 4: Teresa erzählt. Wir tauchen ein in das Leben von Teresa von Avila, einer der faszinierendsten Frauen der Kirchengeschichte: Mystikerin, Klostergründerin und Schriftstellerin. Radikal, liebenswert, ungezähmt und demütig.

Eine, die Gott auf tiefste Weise erlebt hat und davon berührend und herausfordernd erzählt. Jede LebensLiturgie beginnt und endet mit Gebeten, die immer gleichbleiben, biografische Erzählung und Impulse in der Mitte wechseln. Am intensivsten wirken die LebensLiturgien, wenn sie in Ruhe angehört werden. Und jetzt: viel Freude damit!

Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir.

Ich atme langsam und bewusst.

Ich sammle mich und bin ganz da.

Herr, auch du bist da, wohnst in mir und füllst mich mit deiner Liebe.

Ein Gebet von Paulus:

Und so knie ich nieder vor dem Vater, dem wahren Ursprung von allem, der unerschöpflich reich ist an Macht und Herrlichkeit.

Mein Gebet ist, dass Christus aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und euer Leben fest in der Liebe verwurzelt ist.

Das wird Euch dazu befähigen, die Liebe Christi zu erfassen in all ihren Dimensionen in voller Breite, in voller Länge, in ganzer Tiefe und all ihrer Höhe.

Ja ich bete darum, dass Ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass Ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganze Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.

Ihm, der mit seiner unerschöpflichen Kraft in uns am Werk ist und unendlich viel mehr zu tun vermag, als wir erbitten oder begreifen können, ihm gebührt durch Jesus Christus die Ehre in der Gemeinde von Generation zu Generation und für immer und ewig. Amen.

(aus Epheser 3)

Noch am Mittag des Tages, an dem Teresa und ihre vier Mitschwestern das neue Kloster bezogen haben, wird Teresa in ihr Mutterkloster vor die Oberin und den zuständigen Aufseher gerufen. Natürlich prasseln dort allerhand Vorwürfe und Verdächtigungen auf Teresa ein, doch kassiert sie lediglich einen scharfen Verweis seitens des Aufsehers. Nach einem Vieraugen-Gespräch mit diesem, wo Teresa ihm die Gründe für ihr Handeln erklärt, stellt dieser ihr sogar in Aussicht, ganz offiziell wieder in ihr neues Kloster zurückkehren zu können, sobald sich die Aufregung in der Stadt gelegt habe. Die Aufregung in der Stadt ist jedoch gewaltig.

„In der ganzen Stadt herrschte ein großer Wirbel. Zwei oder drei Tage danach versammelten sich einige Stadträte und der Stadtrichter und einige aus dem Domkapitel und sagten alle zusammen, dass man da auf keinen Fall zustimmen dürfe, da dem Gemeinwohl eindeutig Schaden zugefügt würde. Sie ließen alle Ordensgemeinschaften zusammenkommen, um ihre Meinung zu sagen. Einige schwiegen, andere verurteilten; sie kamen aber schließlich zum Schluss, dass das neue Kloster alsbald aufzulösen war. Der Aufruhr im Volk: so groß, dass man über nichts anderes mehr sprach.“

Dass die Stadtgesellschaft Avilas und viele ihrer kirchlichen Würdenträger einen solchen Anstoß an Teresas kleiner reformierter Neugründung nehmen, hat zum einen damit zu tun, dass Teresa ein komplett unabhängiges Kloster mit strenger Klausur (also ohne Besuchsmöglichkeiten) vor Augen hat. Weder kann man als Stadt in ein solches Kloster von außen hineinschauen, noch mit den üblichen Mitteln Einfluss darauf nehmen, noch von diesem Kloster profitieren. Zum anderen stößt Teresas Entscheidung auf Empörung, dass das neue Kloster ein Kloster ohne eigenes festes Einkommen sein soll. Viele Bürger Avilas befürchten, dass am Ende die Stadtgemeinschaft für mögliche Kosten aufkommen muss. Teresa ist da innerlich allerdings vollkommen klar:

„Bevor ich erkannte, dass unsere ursprüngliche Karmel-Regel – bevor sie gemildert wurde – geboten hatte, kein Privateigentum zu besitzen, war ich nicht dafür gewesen, das Kloster ohne festes Einkommen zu gründen, denn meine Absicht war, dass wir keine Sorge um das Lebensnotwendige haben sollten; dabei achtete ich nicht darauf, wie viele Sorgen es mit sich bringt, Eigentum zu besitzen. Da ich nun aber wusste, wie die Regel war, und auch sah, dass es vollkommener war, konnte ich mich nicht dazu bringen, ein festes Einkommen zu haben. Auch konnte ich es nicht ertragen, reich zu sein, sobald ich mich dem inneren Beten zuwandte und Christus so arm und nackt am Kreuz hängen sah. Als ich eines Tages dieses Anliegen Gott sehr anempfahl, versicherte mir der Herr, dass es jemandem, der ihm diente, nicht am Lebensnotwendigen mangeln würde. Diesen Mangel hatte ich für mich auch nie befürchtet: ich glaubte, alle Schätze der Welt zu besitzen, da ich mich ja entschlossen hatte, aus Liebe zu Gott zu leben.“

Die Stadtoberen beschließen, einen Vertreter an den Königshof in Madrid zu schicken, um dort den Fall dem königlichen Rat vorzulegen. Dort setzt ein diplomatisches Ringen zwischen Teresa-Befürwortern und Teresa-Gegnern ein. Erst nach monatelangem Kampf und Streit geben die führenden Männer Avilas ihren Widerstand auf. Und Teresa bekommt endlich die Erlaubnis, in ihr neues Kloster zurückzukehren.

Teresa schreibt: „Da versicherte mir der Herr, dass es jemandem, der ihm diente, nicht am Lebensnotwendigen mangeln würde.“ Mache ich mir aktuell zu viele Geldsorgen? Oder gebe ich im Moment zu viel Geld für unnötigen Genuss und Besitz aus? In der Stille komme ich mit Gott darüber ins Gespräch.


Freiraum

Oh Heiliger Geist, komm in mein Leben und erfülle mich!

Ich für mich bin nichts weiter als ein leeres, zerbrechliches Gefäß: Erfülle mich, auf dass ich ein Leben aus deiner Kraft lebe.

Ein Leben voller Güte und Wahrheit, ein Leben voller Schönheit und Liebe, ein Leben voller Weisheit, Geduld und Stärke.

Aber vor allem: Lass Christus in mir Gestalt gewinnen!

Hilf den Thron in meinem Herzen räumen und mache Christus zu meinem Herrn und König,

auf dass wir eine Einheit werden: er in mir und ich in ihm. Heute und an allen Tagen.

Und in Ewigkeit. Amen.

Freiraum

Ich gehe in diesen Tag mit Worten von Teresa:

Nichts soll dich verwirren,
nichts dich erschrecken.
Alles vergeht, Gott aber ändert sich nicht.
Gott alleine genügt.
Wer ihn hat, dem wird nichts fehlen.